Zeitungen

An Zeitungen war in jener Zeit in Leipzig kein Mangel, ja ihre Zahl war größer wie jetzt, wo die Einwohnerschaft Leipzigs sich gegen damals um das Zehnfache vermehrt hat. Außer dem stark verbreiteten, damals mehr dem Inseratenteile als redaktionellen Mitteilungen dienenden Leipziger Tageblatt gab es die vorzüglich redigierte von F. A. Brockhaus herausgegegebene Deutsche Allgemeine Zeitung, die Leipziger Nachrichten, die Leipziger Zeitung, die Mitteldeutsche Volkszeitung (das Organ der Fortschrittspartei), den Telegraph, das Leipziger Kreisblatt (das ähnlich den preußi schen Kreisblättern vornehmlich zur Verbreitung behördlicher und offiziöser Mitteilungen benutzt wurde), den Dorfanzeiger, der später als Stadt- und Dorfanzeiger firmierte, und das zweimal täglich erscheinende Leipziger Journal, dessen Devise „Das ganze Deutschland soll es sein“ war, das aber nach kurzem Bestande wieder einging. Diesen Nachrichtenblättern gesellte sich vom l. Januar 1865 die von Ludwig Roßberger herausgegebene Leipziger Abendpost hinzu, die aber auch nur ein kurzes Dasein führte. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre — nach Eröffnung des Neuen Theaters — kam auch ein „Leipziger Theater- und Fremdenblatt“ heraus, das aber vom l. November 1869 ab nur noch den Titel „Leipziger Fremdenblatt“ führte. In musikalischen Kreisen war das von Berthold Senff herausgegebene Wochenblatt „Signale für die musikalische Welt“ sehr verbreitet.

Von den damals hier erscheinenden belletristischen Blättern seien angeführt; die Keilsche Gartenlaube, die Illustrierte Zeitung (J. J, Weber), die illustrierte Zeitung Die Glocke, verbunden mit dem wöchentlich einmal erscheinenden Leipziger Wochenblatt (A. H, Payne), sowie das von Albert Träger redigierte, vom Verlage des Leipziger Tageblattes mit herausgegebene Leipziger Sonntagsblatt, das aber auch nach nur mehrjährigem Bestande sein Erscheinen wieder einstellte.

Auch an Vereinen wies Leipzig schon damals eine stattliche Anzahl auf. Einige davon seien hier angeführt. Der Verein für die Geschichte Leipzigs, dessen Vorsitzender der Rektor der Thomasschule Dr. Eckstein, später Prof. Dr. Wuttke war und an hervorragenden Mitgliedern, u. a. Dr. Mothes und Otto Moser besaß, der Verein von Freunden der Erdkunde (Vorsitzender Dr. O. Delitzsch und Dr. Petersmann), der Leipziger Künstlerverein, der im Sommer romantische Pleißefahrten und im Winter wohlgelungene Festspiele nach Münchener und Düsseldorfer Vorbild veranstaltete, die Harmonie, schon 1776 gegründet, welche die oberen Zehntausend der Stadt in sich vereinigte und noch vereinigt und deren schönes Klubhaus am Roßplatz eine Zierde der Stadt ist, die Glocke, die Laute, der Musikverein Euterpe, der Riedeische Gesangverein, der Gesangverein Ossian, die Liederhalle und der Zöllnerbund, der akademische Verein Arion, der akademische Gesangverein der Pauliner, der Kaufmännische Verein, die Polytechnische Gesellschaft, der Schillerverein, der Schriftstellerverein (Vorsitzender Dr, Julius Fürst), der Allgemeine Turnverein, der Preßbengel-Klub, die Röblinger Marine (hergeleitet von dem damals noch bestehenden salzhaltigen Röblinger See bei Eisleben), der Leipziger Lehrerverein, die Eintracht, der Männergesangverein, die Cäcilia. Außer diesen Vereinen seien noch die Fraternität, die Sechszehner, die Ressource, die Andante Allegro, der Tunnel und die Gesellschaft Zwanglose genannt. In allen diesen Vereinen wurde neben ihrem Spezialzweck auch der Geselligkeit gehuldigt. In den Wintermonaten hielten manche von ihnen Maskenbälle ab, deren übrigens auch von den meisten Saalbesitzern für das allgemeine Publikum veranstaltet wurden.

 

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