Die Wahl zum Senator

Ich weilte zufällig in Frankfurt am Main, als aus Amerika verlautete, daß die förmliche Anklage gegen Präsident Johnson in den Vereinigten Staaten viel Aufsehen und Erregung verursache. Ein Freund von mir, Herr Marcuse, der lange in New York gelebt hatte, nahm mich mit zur Börse, wo ich sofort von einer großen Menge Bankiers und Makler umdrängt wurde, die mich jedenfalls als Autorität auf dem Gebiete der amerikanischen Angelegenheiten betrachteten und mich eifrig befragten, ob die Anklage gegen den Präsidenten wohl…

Bei Bismarck

Im Herbst 1867 reisten die Meinigen nach Wiesbaden, wo meine Frau sich aus Gesundheitsrücksichten länger aufhalten sollte. Ich beabsichtigte etwa um Weihnachten ebenfalls auf einige Wochen dort hinzukommen. In Deutschland hatten sich seit jener dunklen Dezembernacht im Jahre 1861, wo ich auf dem Wege von Spanien nach Amerika das Land von der belgischen Grenze bis Hamburg im Fluge durcheilte, große Veränderungen zugetragen. Die Zeit dumpfer Reaktion nach dem Zusammenbruch der revolutionären Bewegung von 1848 war vorüber. König Friedrich Wilhelm IV.…

Präsident Johnson und die Rekonstruktionspolitik

Ich war gerade im Begriff nach Westen zurückzukehren, als ich von Horace Greeley, dem bekannten Redakteur der New York Tribune, die Aufforderung erhielt, den Nachrichtendienst jener Zeitung in Washington als Hauptkorrespondent zu übernehmen. Trotz der von Greeley gebotenen verlockenden Bedingungen war ich eigentlich abgeneigt, einmal, weil ich bezweifelte, daß mir die Arbeit sympathisch sein würde, und ferner, weil sie mich im Osten fesselte. Greeley und einige mir befreundete Kongreßmitglieder überredeten mich aber mit dem Hinweis, daß ich ja die Verhältnisse…

Die Lage im Süden nach dem Krieg

Der Amtsantritt des neuen Präsidenten Andrew Johnson änderte zunächst nichts am Ton seiner Äußerungen betreffs Behandlung der Rebellen. In Washington, wie früher in Nashville, war der Inhalt seiner Rede der, daß »Brandstiftung, Raub und Mord Frevel wären, aber Hochverrat ein noch weit schlimmerer Frevel«. Und dieser Frevel des Hochverrates müsse »gebührend bestraft, die Hauptverräter müssen gehängt und die übrigen eingekerkert werden«. Damit wollte er, wie er später mehrfach zugab, sagen, daß ihre großen Pflanzungen vom Staate sequestriert, aufgeteilt und an…

Die Folgen von Lincolns Ermordung

Der Friede, der auf die im Kapitulation der Armeen der Konföderierten im April 1865 folgte, war kein ungetrübter. Es war auch nicht zu erwarten, daß die leidenschaftliche Fehde, die vier Jahre lang den Norden und den Süden zu mörderischem Kampfe gegeneinander getrieben hatte, nun plötzlich einem Wiederaufflammen des gemeinsamen Nationalgefühls und der gegenseitigen Liebe Platz machen würde. Die Wunden, die der Bürgerkrieg geschlagen, waren noch zu frisch. Der Soldat der Südstaaten kehrte unter dem Druck der erlittenen Niederlage, abgehärmt, mit…

Der Krieg ist aus

Nachdem die Wahl vorüber war, meldete ich mich beim Kriegsministerium zu weiterem Dienst. Es waren verschiedene Pläne im Werke, um die durch Verluste und Krankheit furchtbar gelichteten Reihen der Armee, die Grant zu den Operationen vor Richmond benutzt hatte, wieder zu vervollständigen. Einer bestand darin, ein »Veteranenkorps« zu organisieren, das aus Soldaten bestehen sollte, die nach Erledigung ihres dreijährigen Kriegsdienstes noch körperlich imstande und gewillt waren, sich wieder einstellen zu lassen. Dies »Veteranenkorps« sollte unter dem Kommando General Hancocks stehen,…

Lincoln in Schwierigkeiten

In den Mußestunden des Lagerlebens im Winter und Frühjahr 1864 hatte ich mehrere Bände der Schriften Herbert Spencers durchgearbeitet und einen sehr lebhaften Briefwechsel mit Freunden in Washington und in den nördlichen Staaten geführt. Die von Briefen und Zeitungen verbreiteten politischen Nachrichten waren keineswegs tröstlicher Art. Wer, wie ich, im Felde stand und die politischen Ereignisse nur aus der Ferne betrachtete, der kannte nur ein Ziel, den guten Ausgang des Kampfes gegen die Sezession und der Bestrebungen für die Wiederherstellung…

Chattanooga und Knoxville

Endlich wurde am 25. September 1863 das elfte Armeekorps von der Potomac-Armee detachiert und mit dem zwölften zusammen unter Hooker nach dem westlichen Operationsfelde abkommandiert. General Rosenkranz hatte den feindlichen General Bragg aus Chattanooga hinausmanövriert, hatte aber am 19. und 20. September eine böse Niederlage bei Chickamauga erlitten, wo die Cumberland-Armee nur durch die heldenmütige Standhaftigkeit General Thomas vor völliger Vernichtung bewahrt blieb. Es mag hier nebenbei bemerkt werden, daß die Niederlage und Flucht unseres rechten Flügels in dieser Schlacht…

Gettysburg

Die Potomac-Armee erholte sich bald von den Mühen und Enttäuschungen der Kampagne von Chancellorsville, und als um Mitte Juni sich ein Gerücht verbreitete, daß Lee seinen linken Flügel nach dem Shenandoah-Tal vorgeschoben habe und abermals einen Einfall in die Nordstaaten versuchen wolle, war das ganze Heer von neuer Kampfeslust beseelt. Galt es doch die höchste Schande, eine feindliche Invasion, abzuwehren. Am 30. Juni, auf unserem Marsch durch Maryland, hatte ich das Glück, in dem mit einer Töchterschule verbundenen Kloster St.…

Das Desaster von Chancellorsville

Am 2. September wurde General McClellan der Oberbefehl über die Befestigungen der Hauptstadt Washington und über alle zu ihrer Verteidigung kommandierten Truppen übertragen. Drei Tage später wurde General Pope von seinem Kommando entbunden, und die Virginia-Armee wurde mit der Potomac-Armee verschmolzen. Von dieser Armee wurde General Sigels Armeekorps das elfte. Zwischen dem 4. und dem 7. September ging General Lee über den Potomac, um in Maryland einzufallen, und in Washington wurde schnell ein Heer zusammengestellt, das ihm entgegenrücken und ihn…