Vom Kassenknacker und vom Brandstifter

»Ja, mein Lieber«, sagte Herr Jilek, »stehlen muß man eben können. Das sagte auch Herr Balaban, der Schränker, dessen letzte Kasse die von Scholle und Co. gewesen ist. Balaban war einer von den gebildeten und rechtschaffenen Einbrechern. Er war schon ein älterer Mensch, und da hat man selbstverständlich bereits größere Erfahrungen. Ein Junger setzt viel eher alles auf eine Karte, und es ist ja was daran, auch mit der Courage läßt sich allerhand ausrichten. Wenn der Mensch aber in die…

Der gestohlene Kaktus

»Hören Sie also an«, begann Herr Kubat, »was mir im vergangenen Sommer passiert ist. Ich war in einer gewöhnlichen Sommerfrische; es war dort nicht anders als in anderen Sommerfrischen: kein Wasser, kein Wald, keine Fische, nichts. Nur die Volkspartei war dort stark vertreten. Dann gibt es dort einen Verschönerungsverein mit einem sehr rührigen Obmann, Perlmutterindustrie und ein Postamt mit einer alten, langnasigen Postmeisterin. Also ein Ort wie andere Orte auch. Und als ich mich nun so gegen zwei Wochen lang…

Der Geschworene

»Ich habe einmal Richter sein müssen«, sagte Herr Firbas und räusperte sich, »damals, als ich als Geschworener ausgelost war. Damals kam gerade der Fall Luise Kadanik, die ihren Mann ermordet hatte, an die Reihe. Wir waren acht Männer und vier Frauen, und wir Männer sagten uns, mehr oder weniger im stillen: das kann gut werden, diese vier Vetteln werden gewiß versuchen, das Frauenzimmer freizusprechen! Wir waren also schon im vorhinein keine Freunde der Luise Kadanik. Im ganzen besehen war es…

Die Ballade vom Juraj Cup

»So was kommt wirklich vor, meine Herren«, sagte nun der Gendarmeriekapitän Havelka, »manchmal zeigt sich bei Verbrechern so eine Art ganz besonderer Gewissenhaftigkeit – Ordnungssinn möchte ich es nennen. Ich könnte Ihnen allerlei darüber erzählen, aber der merkwürdigste Fall ist sicherlich der mit dem Juraj Cup. Ich habe ihn miterlebt, damals, als ich in Jasina in Karpathorußland bei der Gendarmerie war. Es war in einer Januarnacht, wir saßen beim Juden und soffen. Da waren: der Bezirkshauptmann, ein Eisenbahninspektor, andere hervorragende…

Der gestohlene Mord

»Das erinnert mich an einen Fall«, sagte Herr Houdek, »der auch großartig durchdacht und wunderbar vorbereitet gewesen ist. Ich fürchte nur, daß Ihnen die Geschichte nicht gefallen wird, weil sie eigentlich kein Ende und keine rechte Lösung hat. Wenn ich anfange Sie zu langweilen, dann sagen Sie es mir nur, und ich höre sofort auf. Wie Sie vielleicht wissen, wohne ich in der Krucemburggasse in den Weinbergen. Das ist eine dieser kurzen Quergassen, in denen es nicht einmal ein Wirtshaus…