1. Ich

An mei­ner Bü­ro­tür un­ter mei­nem Na­men steht: Con­trol­ling. Ir­gend­was muss ja da ste­hen, und Job­kil­ler kann man nicht gut dran­schrei­ben, ob­wohl das der Wahr­heit viel nä­her kä­me. Mit an­de­ren Wor­ten, ich bin der Mann fürs Gro­be. Ich ma­che die Schmutz­ar­beit für die Fir­ma. Und die Fir­ma, das ist Maddox Deutsch­land, ei­ne Un­ter­neh­mens­grup­pe, die von Ba­by­win­deln bis zum 50-Ton­nen-Bull­do­zer so ziem­lich al­les her­stellt, wo­mit sich Geld ma­chen lässt. Und wenn das mit dem Geld nicht so rich­tig klappt und ir­gend­wo .…

2. Bin ich entlassen?

An diesem Sommertag Anfang Juli saß ich in meinem Büro, hatte die Beine hochgelegt und schwitzte mir (trotz Klimaanlage) ganz gewaltig einen ab. Gerade war ich mit dem neuesten Playboy durch, als Meyer-Pödel der Chefprogrammierer der Buchhaltung herein kam und mir einen dicken Packen Computerausdrucke auf den Tisch knallte. «Maddox Color macht Ärger». Ich musterte ihn schläfrig über meine Schuhspitzen hinweg. Es ist eine alte Gewohnheit von mir, ihn zu mustern, jedes mal wenn er mir pfundweise seine Computerweisheiten anschleppt.…

3. Die Tigernummer

Im Konferenzraum wurden wir von vier Mann hoch erwartet. Bollmann machte mich mit ihnen bekannt: Ohlsen, ein sehniger Mittvierziger, zuständig für Produktion und Beschaffung, war verdammt gut gebräunt für einen hart arbeitenden Menschen in diesen Breiten. Korf, Syndikus, Dr. jur., ein blässlicher Jüngling von höchstens Mitte dreißig mit angepappten schwarzen Haaren und lüsternem grauäugigen Karrierblick. Sein gedeckter Zweireiher war eine erstklassige Maßarbeit. Schäffer, Marketing und Vertrieb mit dem Titel Direktor. Einer von diesen . . . weiter lesen »

4. An die Arbeit

Als ich Burgers Büro, das mein Büro werden sollte, zu Gesicht bekam, kriegte ich fast einen Schreikrampf: Gut und gerne zweihundert Quadratmeter, ausgelegt mit knöcheltiefem schneeweißen Verlours und vollgestellt mit einer Unzahl verschiedenartigster Plastiken. Die größte prangte mitten im Raum und bestand aus drei Säulen aus schwarzem Marmor, von denen ein Wasserspiel in ein beleuchtetes Bassin plätscherte. Vor den Fenstern eine ausladende Sitzgruppe in weißem Leder, hier und da einige Designermöbel der obersten Preiskategorie und ganz hinten — . .…

5. Es stinkt

Organisatorisch fiel die Kläranlage in Ohlsens Zuständigkeitsbereich. Und bevor ich in seinem Büro aufkreuzte und ihm den Bescheid des Wasseramts präsentierte, schien ihn das nicht übermäßig belastet zu haben. «Na, wie gefällt Ihnen das?» grinste ich böse. Er griff nach dem Papier und überflog es. Es gefiel ihm ganz offensichtlich nicht, er machte ein Gesicht, als ob ich ihm auf den Tisch gekotzt hätte. Ich fragte: «Warum lieben uns die Wassermänner nicht, können Sie mir das sagen?» Nervös wendete er…

6. Was man schwarz auf weiss hat…

Wir über­quer­ten ein still­ge­leg­tes Bahn­gleis, staks­ten durch ei­nen Strei­fen Brach­land, auf dem zwi­schen ho­hem Gras und Brenn­nes­seln al­te Ma­schi­nen­tei­le be­schau­lich vor sich hin ros­te­ten, und stan­den schließ­lich vor ei­ner rie­si­gen schlacht­schiff­grau­en Wand, der Rück­sei­te ei­nes die­ser Hal­len­mons­tren, die zum Pro­duk­ti­ons­kom­plex ge­hör­ten — fünf Stock­wer­ke hoch, schein­bar end­los, völ­lig oh­ne Fens­ter und in Ab­stän­den ver­se­hen mit mäch­ti­gen Ab­luft­schäch­ten aus Zink­blech, . . . weiter lesen »

7. B.B.

Irgendwie hatte ich bei dieser Kläranlagengeschichte ein ungutes Gefühl, und die Publicity, die sie gekriegt hatte, gefiel mir ganz besonders nicht. Da brodelte etwas vor sich hin, und niemand konnte sagen, ob irgendwann der Deckel vom Topf fliegen oder ob die Flamme von selber ausgehen würde und wann das sein würde. Ich beschloss, an dem Problem dran zu bleiben und in die Sache noch ein bisschen Zeit zu investieren und ein paar Adressen abzuklappern. Damit wollte ich allerdings nicht anfangen,…

8. Wo ist Zeck?

In der Kläranlagensache würde ich mich mal hinter die richtigen Leute klemmen müssen. Und ich wusste auch schon, wie und wo und wann das am besten zu machen sein würde. Auf der Bürgermeisterparty, für die ich die Einladung auf dem Schreibtisch hatte, würden die maßgeblichen Leute der ganzen Gegend wohl ziemlich komplett versammelt sein — dort würde ich sie alle auf einem Haufen haben. Ich ging in meine Bürobude hinunter und beauftragte Herzchen, mich bei der Party anzusagen. Dann legte…

9. Pressearbeit

Zwei Schaufenster im Erdgeschoss eines verklinkerten Giebelhäuschens im Schatten einer klobigen Backsteinkirche aus den Zeiten von Willibald dem Wüterich, das war die Zeitung, oder genauer, die Lokalredaktion der Zeitung. Ich schloss den Wagen ab und stiefelte hinein. Ein einziger großer Raum. Auf der einen Seite der Annahmetresen fürs Anzeigengeschäft, gegenüber die Schreibtische der Schreiberlinge. Die Luft bestand praktisch nur aus abgestandenem Zigarettenrauch. Ein paar summende Neonröhren mühten sich redlich ein bisschen Licht in den Schatten der Kirche . . .…

10. Menschen im Hotel

Die Abbruchheinis hatten den Kasten nebenan inzwischen kleingekriegt und einen Riesenhaufen Schutt und Trümmer daraus gemacht, in dem jetzt zwei Schaufellader herumwühlten und das mit einem Getöse und einer Staubentwicklung, als würden sie dafür extra bezahlt. Ich knöpfte mir sofort den Empfangschef vor und sagte ihm, dass ich kein beliebiger Neckermann-Tourist wäre und mir so etwas nicht bieten lassen würde. Der Schleimer versprach, sich umgehend darum zu kümmern und sein Möglichstes zu tun. Das Möglichste von Hotelmenschen ist erfahrungsgemäß .…