Im Krieg

Drei Tage nach der Sklavenemanzipationsversammlung am 6. März kehrte ich nach Washington zurück und erstattete Präsident Lincoln meinen Bericht. Er war in sehr vergnügter Stimmung wegen eines Erfolges vom vorhergehenden Tage, nämlich des epochemachenden Seegefechts zwischen dem »Merrimac« und dem »Monitor« in Hampton Roads, wo zum ersten Male im Laufe der Weltgeschichte gepanzerte Kriegsschiffe ins Treffen kamen. Noch am nächsten Tage, als ich Lincoln sprach, waren seine Gedanken so erfüllt von dem Geschehenen, daß es ihm offenbar große Freude machte,…

Als Gesandter in Spanien

Ich hielt mich lange genug in London auf, um den amerikanischen Gesandten, Mr. Charles Francis Adams, zu besuchen und von ihm das Neueste über den Standpunkt der europäischen Mächte den Vereinigten Staaten gegenüber zu erfahren. Ich war noch nie vorher mit Mr. Adams zusammengekommen. Der kleine, kahlköpfige Herr mit den regelmäßigen Gesichtszügen und blauen Augen, dem ich mich mit einer gewissen Schüchternheit als Kollegen vorstellte, erinnerte mich lebhaft an die Porträts, die ich von seinem Vater, dem Präsidenten John Quincy…

Der Bürgerkrieg bricht aus

Die Republikaner von Wisconsin waren mir sehr gewogen. Mit einer Majorität ihrer Legislatur hatten sie mich zum Mitglied des Aufsichtsrats der Staatsuniversität gemacht, welche in der Hauptstadt Madison gegründet wurde, jetzt im Frühling 1860 wählte mich ihr Staatskonvent, als einer ihrer Delegierten zum republikanischen Nationalkonvent im Mai nach Chicago zu gehen. Dieser berühmte Konvent, der in dem großen, viele Tausende fassenden Holzgebäude, das Wigwam genannt, abgehalten wurde, mit seinen geräuschvollen Paraden, seinem Geschrei, Gedränge und Ränkeschmieden ist so oft und…

Keine Kompromisse mehr

Siebentes Kapitel. Kaum waren die Wahlen vorüber, als ich schon wieder zu einer ausgedehnten Vortragsreise aufbrechen mußte, um durch ihren Ertrag die Verluste wett zu machen, die ich während meiner politischen Tätigkeit durch Ausgaben und Vernachlässigung meiner Privatangelegenheiten erlitten hatte; auch wollte ich gerne schon etwas fürs die künftige große Kampagne der Präsidentenwahl von 1860 zurücklegen. Das Vortragswesen hatte sich damals über den ganzen Norden und Nordwesten bis in die schwach bevölkerten Gegenden hinein verbreitet und konnte als ein sehr…

Wahlkampf im Wilden Westen

Im Herbst 1859 hatte ich nicht nur in Wisconsin Dienst zu tun, wo es – wie oben erwähnt –– mein besonderes Geschäft war, die Unzufriedenheit unter meinen Freunden zu beschwichtigen, sondern ich wurde auch dringend gebeten, einige Reden in dem kürzlich neu in den Bund aufgenommenen Staat Minnesota zu halten, wo im November die erste Wahl stattfinden sollte. Ich folgte diesem Ruf. Mit Vergnügen erinnere ich mich an diese Reise, und man muß mir verzeihen, wenn ich es mir vergönne,…

Im Parteibetrieb

Als die Wahlfeldzüge von 1858 vorüber waren, glaubte ich, es sei hohe Zeit, mich dauernd dem Beruf hinzugeben, für den ich mich vorbereitet hatte. Ich beantragte meine Zulassung als Rechtsanwalt im Circuit Court in Jefferson County, Wisconsin, und mein Antrag wurde ohne weiteres genehmigt. Das Verfahren war sogar im äußersten Grade einfach. Es bestand in der Überreichung meines Gesuches durch einen Advokaten von Watertown, einem Lächeln und Kopfnicken des Richters, einem Händeschütteln, der Unterschreibung eines Papieres und schließlich in einem…

Lincoln

Im Herbste des Jahres 1857 schickten mich die Republikaner von Watertown als ihren Vertreter in den republikanischen Staatskonvent, welcher die Kandidaten für die Staatsämter aufstellen sollte. Dort erwartete mich eine große Überraschung. Ich fand, daß die tonangebenden Parteileiter mich zum republikanischen Kandidaten für das Amt des Vizegouverneurs ausersehen hatten. Das war ohne Zweifel das Werk meines Freundes, des Senators Harvey. Ich war nicht ohne Ehrgeiz und die Nomination zum Vizegouverneur war eine ehrenvolle Auszeichnung, die ich hochschätzen mußte. Sie schmeichelte…

Der Anfang als Politiker

Als wir im Mai 1856 in Amerika ankamen, schien sich die öffentliche Stimmung in einem Zustand großer politischer Aufregung zu befinden. Die Hotels, die Eisenbahnwaggons und die Verdecke der Schiffe hallten wieder von eifrigen Diskussionen über die Sklavereifrage und die bevorstehende Präsidentschaftskampagne. Nicht selten griffen dann die Demokraten mit besonderer Bitterkeit ihre abtrünnigen Gesinnungsgenossen an, die der neuen republikanischen Organisation beigetreten waren, welche jetzt zum erstenmal an dem nationalen Kampf teilnahm. Meine deutschen Nachbarn in Watertown, Wisconsin, waren . .…

Besuch in der Alten Welt

    Ehe diese Niederlassung aber zur Ausführung kommen konnte, mußte ich wegen der Gesundheit meiner Frau eine Reise nach Europa unternehmen. Wir brachten einige Zeit in London zu. Welch’ wunderlicher Szenenwechsel zwischen den zwei so verschiedenen Welten! Der alte Kreis politischer Flüchtlinge, den ich vor drei Jahren zurückgelassen, hatte sich aufgelöst. Die gute Baronin Brüning die so vielen von ihnen eine Milde, hülfreiche Freundin gewesen war, hatte an einem Herzleiden sterben müssen. Die meisten derer, die um ihren gastfreien…

Nach Westen

  Am 17. September 1852 fuhren meine junge Frau und ich, nach einer Reise von 28 Tagen, an Bord des prächtigen Paketschiffes »City of London«, in den Hafen von New York ein. Es gab allerdings schon um diese Zeit Dampfschiffe wenn auch nur wenige, welche die regelmäßige Fahrt zwischen England und Amerika machten. Ein Freund, der mehrmals dieses Land besucht hatte, versicherte uns aber, daß ein gutes, großes Segelschiff sicherer sei als ein Dampfer und für Personen, die zur Seekrankheit…