echte Kriminalfälle aus historischen Polizei- und Gerichtsakten

James Hind, der royalistische Straßenräuber

1652 Alt-England war von je die eigentliche Heimat der großartigen Räuber, welche eine vergangene Romanepoche, fälschlich und ohne Grund, nach Italien versetzt. Die Volkserinnerung in England feiert das Andenken jener kühnen Wegelagerer und freien Söhne der Wälder mit besonderer Vorliebe und dichtet diesen Lieblingen gern Züge verwegenen Mutes, hochherziger Gesinnung und überraschenden Witzes an. Die Helden der alten Balladen, die Robin Hood und seine Gesellen, gehören freilich zum großen Teil mehr der Romantik an als der Geschichte. Aber auch seit…

Winckelmanns Ermordung

Zwei Jahre vor Gerhard von Kügelgens Ermordung war in Dresden der aktenmäßige Bericht über Winckelmanns Tod, aus dem Italienischen des Rosetti übersetzt und von einem Vorwort Böttigers begleitet, erschienen, durch den viele falsche Gerüchte über die letzten Lebensmomente des großen Archäologen widerlegt wurden. Begreiflicherweise gewann die kleine Schrift beim Bekanntwerden des Todes Kügelgens eine neue Bedeutung; man stellte Vergleiche an zwischen den Opfern, den Tätern und den Umständen, die die Tat begleiteten. Wenn natürlich auch von einer eigentlichen geistigen Verwandtschaft…

Eisenbahn- und Posträuber in Nordamerika

Am 25. Oktober 1886 dampfte in später Abendstunde der fahrplanmäßige Schnellzug, der Saint Louis und San Francisco verbindenden Eisenbahn von Saint Louis nach dem Westen ab. Zum erstenmal wurde an der Station Pacific Junction, knapp sechzig Kilometer von Saint Louis entfernt, gehalten. Die Stationsbeamten bemerkten, daß die Tür des Postwagens, der der Adams-Erpreß-Company gehörte, offenstand. Sie begaben sich in den Wagen und fanden darin die eisernen Kassenschränke geöffnet und ihres kostbaren Inhalts beraubt. Die Wertpapiere, eine Anzahl von Diamanten .…

Ein Lynchgericht

(Nordamerika.) 1882. In der Nacht vom 23. zum 24. April 1882 wurde in Greensburg, dem Hauptorte von Decatur-County im Staate Indiana, ein Lynchgericht vollzogen, dem auch die entschiedensten Gegner der Volksjustiz eine gewisse Berechtigung nicht absprechen werden, denn es entsprang aus dem Zorn und der Entrüstung darüber, daß Richter, Anwälte und Geschworene zusammengewirkt hatten, um einen Mörder von der verdienten Strafe zu befreien und Recht und Gerechtigkeit unter die Füße zu treten. Ein ziemlich wohlhabender Farmer in jenem County, Namens…

Blaize Ferrage

1779–1780 In den französischen Gebirgsabhängen der Pyrenäen verbreitete sich am Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ein panischer Schrecken unter den Bewohnern der umliegenden Ortschaften. In den Felsschluchten nistete ein Ungeheuer, welches Menschen, sowohl Einwohner derselben als Reisende, anfiel, beraubte, mißhandelte, je nachdem sie in seine Höhle schleppte und – auffraß. Und dieses Ungeheuer war – ein Mensch. Bald nach den ersten blutigen Untaten war man über die Person des Täters nicht in Zweifel. Man hatte ihn von seiner…

Der Tod des Rentier Peter Tixier

(NIORT IM DEPARTEMENT DEUX-SÈVRES. ARSENIKVERGIFTUNG.) 1865-1868. Im westlichen Frankreich, in der alten Provinz Poitou, dem heutigen Departement Deux-Sèvres, liegt die Stadt Niort und nicht weit entfernt davon das Landgut La Meillerage, einst Eigenthum der Nachkommen Mazarin’s, im Jahre 1865 im Besitz von Peter Tixier, der dort als Junggeselle ein ziemlich behagliches Dasein führte. Er war 53 Jahre alt, kräftig gebaut und abgesehen von bisweilen wiederkehrenden Anfällen von Gicht von dauerhafter Gesundheit. Im Laufe des Juni 1865 erkrankte er wieder an…

Anna Böckler

Es ist noch in unser aller frischester Erinnerung, daß in der zweiten Hälfte des Jahres 1872 die Kunde durch die Zeitungen lief: am 24. Juni sei das 4½jährige Töchterchen des Domänenpachters Böckler, Anna, von dem Gehöfte ihres Vaters in Treuen bei Loitz, Kreis Grimmen (Neuvorpommern) durch Zigeuner geraubt worden. Fast ein ganzes Jahr lang brachten die öffentlichen Blätter die verschiedenartigsten Nachrichten, Vermuthungen, Rathschläge und Prämienausbietungen bezüglich der Wiederauffindung des geraubten Kindes. Eine förmliche Hetzjagd ward hinter den Zigeunern her eröffnet,…

Die Kindsmörderin und die Scharfrichterin

Zu den berühmten Rechtsfällen gehört der nachstehende, nicht wegen seiner kriminalistischen Verwicklungen und schwierigen Rechtsfragen, denn die Geschichten und die Entscheidung sind sehr einfach, sondern durch den besonderen Umstand, welcher die Entdeckung veranlaßte, und durch andere, welche die Strafe begleiteten und den Vorfall ins Gebiet des Märchenhaften versetzen. Helene Gillet war ein liebenswürdiges junges Mädchen, geachtet von allen, welche sie kannten, um ihres Charakters und ihres sittlichen Benehmens willen. Auch ihre Eltern standen in Achtung. Der Vater war königlicher .…

Gesche Margaretha Gottfried

Ein junger Radmachermeister zu Bremen, mit Namen Rumpf, hatte dort in der Pelzerstraße 1825 ein Wohnhaus gekauft. An Warnungen von seiten seiner Freunde, daß er den Kauf unterlassen möge, hatte es nicht gefehlt. Man sagte, das Haus wäre ein Unglückshaus, worin die Männer stürben. Vor allem aber solle er sich vor der bisherigen Besitzerin in acht nehmen und sie nicht im Hause wohnen lassen. Denn wenn auch keiner der Madame Gottfried etwas Böses nachzusagen wußte, so herrschte doch bei vielen,…

Die Selbstanzeige der Witwe Kruschwitz in Gassen

(NIEDERLAUSITZ. ARSENIKVERGIFTUNG ODER EINGEBILDETER GIFTMORD?) 1869   Am 9. Februar 1867 meldete sich die verwitwete Scharwerker Kruschwitz, Johanne Juliane geborene Skerl, verwitwet gewesene Kuntze aus Gassen, bei dem Staatsanwalt zu Sorau und erklärte, ihr Gewissen lasse ihr keine Ruhe, sie habe ein schweres Verbrechen begangen, und so komme sie denn, es zu bekennen und sich selbst anzuzeigen. Ihre That bestehe darin, daß sie ihren ersten Ehemann mit Rattengift getödtet habe. Ueber die Motive zur That und den Hergang gab sie…