echte Kriminalfälle aus historischen Polizei- und Gerichtsakten

Wilster, genannt Baron von Essen

Der Kriegs- und Domainenrath Greiner in Berlin galt für einen glücklichen Mann. Groß, stark, fast athletisch gebaut, mit einem lebhaft sanguinisch-cholerischen Temperamente, ging ihm von den Glücksgütern nichts ab, die das Leben heiter machen, wenn man für dasselbe keine höheren Ansprüche mit­bringt, als die des ungetrübten Genusses seiner Freuden und Annehmlichkeiten. Er be­saß ein eigenes ziemliches Vermögen, ein einträgliches, ehrenvolles Amt, die Zuneigung und die Achtung seiner Vorgesetzten. Er arbeitete in demselben, so weit es seine Pflicht war, ohne sich…

Miles Weatherhill

Der Vicar Plow in dem Städtchen Trimorden, nicht weit von Manchester, kehrte am Abend des 2. März 1868 gegen halb 10 Uhr von einem Spaziergange in seine isolirt gelegene Wohnung zurück, aß zu Abend und läutete dann zur häuslichen Abendandacht. Die Kindermagd Jane Smith, welche zuerst in das Zimmer kam, theilte ihm mit, daß sie an der Hinterthür des Hauses ein verdächtiges Geräusch gehört habe. Plow begab sich an diese Thür, fand dieselbe unverschlossen, konnte sie aber nicht öffnen, da…

Johann Heinrich Furrer

Mitten in dem herrlich gelegenen großen Dorfe Pfäffikon im Canton Zürich, in der Nähe der Kirche, wohnten im hintern Theil eines Hauses der Landmann Heinrich Furrer von Pfäffikon und seine Ehefrau Barbara. Aus der im Jahre 1843 geschlossenen Ehe waren zwei Kinder hervorgegangen: Johann Heinrich, geboren am 9. Aug. 1844, und Luise, geboren am 26. April 1853. Die Furrer’schen Eheleute waren ganz habliche Bauersleute. Ihre Liegenschaften waren ca. 16500 Frs., die Fahrhabe mit Vieh 2000 Frs. werth; an Schuldbriefen (grundversicherten…

Der Wildschütz Hermann Klostermann

Am 1. October 1867 ritt der Oberförster von Wrede aus Hardehausen im Kreise Warburg in den Wald, um eine Besichtigung seiner Forsten vorzunehmen. Er umritt die Grenzen seines Reviers und begab sich sodann auf den Rückweg. Es dunkelte bereits, als er abends gegen 6 Uhr einen Menschen erblickte, der vor ihm die Flucht ergriff und eilig in den Wald lief. Der Oberförster verfolgte ihn und rief ihm »Halt!« zu, erhielt aber in drohendem Tone die Antwort: »Nicht näher oder ich…

Der Nürnberger Kassendiebstahl

Es soll kein einzelner Zeuge wider Jemand auftreten über irgend eine Missethat oder Sünde; es sei welcherlei Sünde es sei, die man thun kann; sondern in dem Munde zweier oder dreier Zeugen soll die Sache bestehen. 5. Moses, 19, 15. Am 30. Juni 1790 machte der reiche und angesehene Kauf- und Handelsmann Johann Marcus Sterbenk bei dem Bürgermeisteramte der reichsfreien Stadt Nürnberg folgende Anzeige: »Er wäre heute gegen 5 Uhr Morgens durch seine Dienstmagd Katharina Kamm geweckt und benachrichtigt worden,…

Ein Mord im Criminalgfängniß von Nürnberg

1830. In der Nähe des Hallerthürleins, wo das träge dahinschleichende Wasser des trüben Pegintzflusses die alte Stadt Nürnberg verläßt, erhebt sich kühn über dem Strome ein finster blickendes, im modernen Stil gehaltenes Gebäude. Auf beiden Seiten sieht man kleine, halbrunde, vergitterte Fenster, in der Mitte etliche ebenfalls mit Eisenstäben versehene Bogenfenster. Zieht man die schrilltönende Schelle am Eingang, so öffnet sich mittels eines verdeckten Drathzuges das eiserne Thor; man steigt mehrere Stufen hinauf zu einer starken . . . weiter…

Exner

In Schlesien und den benachbarten Ländern war der Räuber Exner zu Anfang dieses Jahrhunderts überall bekannt und gefürchtet. Seines Handwerks ein Wollspinner und aus Sulzbach in der Oberpfalz gebürtig, war er schon in seiner frühesten Jugend ein berüchtigter Dieb. Wegen mehrerer gewaltsamer Diebstähle, die er in Schlesien noch als halber Knabe verübte, wurde er mehrfach festgesetzt, zur Untersuchung gezogen und bestraft. Aus dem Zuchthaus zu Jauer entsprang er, gesellte sich mehreren Diebesgenossen zu, die ihn zu ihrem Anführer wählten, und…

Karl Friedrich Masch, sein Räuberleben und seine Genossen

Mancher unserer Leser wundert sich vielleicht darüber, daß wir in der Ueberschrift von einem Räuberleben in Deutschland aus den letzten Jahren sprechen. Deutschland ist ja, wie man uns täglich versichert, civilisirt, es kommen wol einzelne Raubanfälle vor, aber nirgends existiren organisirte Räuberbanden, wie kann es denn ein Räuberleben geben, was zu beschreiben sich der Mühe lohnte? Italien, wo das Stilet des Meuchelmörders in den Geschicken der Familien und in der Geschichte der Staaten von jeher eine Rolle gespielt hat, und…

Der Buchbindermeister Ferdinand Wittmann

Ende October 1865 zog der Buchbindermeister Wittmann von Wollin nach Posen. In Wollin hatte er seine Buchbinderei nebst allen Werkzeugen verkauft, und in Posen machte er keinerlei Anstalt, ein neues Geschäft zu begründen, trat vielmehr als Rentier auf und ließ sich als solcher auch bei der Polizeidirection anmelden. Seine Wohnung miethete er in der geschäftsstillen, von Rentiers und Beamten sehr gesuchten Berliner Straße und zwar für jährlich 320 Thlr., kaufte zur Einrichtung seiner Zimmer für mehr als 500 Thlr. Möbel…

Die beiden Markmann

Südlich von Berlin auf dem Höhenstrich, der gegen das Spreethal in einiger Erhebung sich hinzieht, sieht man auf älteren Karten noch vielen Wald verzeichnet, von dem heute auch die letzten Reste verschwunden sind, wenn man das zu andern Zwecken erhaltene Lustwäldchen, die Hasenhaide, ausnimmt. Doch existirte noch vor wenigen Jahren hinter demselben die britzer Haide, ein Kiefergebüsch, zum Rittergute Britz gehörig, welche in Berlin etwas berüchtigt war, weil man sich von einzelnen Anfällen, die in derselben vorgefallen sein sollten, erzählte.…