Der Birjuk

Ich fuhr abends allein auf meinem Rennwagen von der Jagd. Bis nach Hause hatte ich an die acht Werst; meine gute Traberstute lief rüstig über die staubige Straße, indem sie ab und zu schnaubte und die Ohren bewegte; der müde Hund blieb wie angebunden keinen Schritt hinter den Hinterrädern zurück. Ein Gewitter war im Anzug. Vor mir erhob sich hinter dem Wald eine riesengroße lila Wolke; über mir und mir entgegen zogen langgestreckte graue Wolken; die Bachweiden rauschten und bewegten…

Ligow

„Wollen wir doch mal nach Ligow fahren,“ sagte mir einmal Jermolai, den meine Leser schon kennen, „wir können dort nach Herzenslust Enten schießen.“ Für den echten Jäger hat die Wildente zwar nichts besonders Anziehendes, aber in Ermangelung anderen Wildes (es war Anfang September: die Waldschnepfen waren noch nicht da, und den Rebhühnern auf den Feldern nachzulaufen, war mir zu dumm geworden) folgte ich dem Vorschlage meines Jägers und begab mich mit ihm nach Ligow. Ligow ist ein großes Steppendorf mit…

Wald und Steppe

Dann aber zieht es seinen Wandersinn Ins Dörfchen, in den dunkeln Garten hin, Wo hohe Linden reichen Schatten spenden, Die Veilchen süße Düfte rings entsenden, Wo runder Geisklee sich vom Damme biegt, Hold in der Flut sein Blumenantlitz wiegt, Auf fetter Trift die üpp‘ge Eiche steht, Der Zephir mild vom duft‘gen Felde weht, Dahin, dahin, ins lustige Gefild, Wo sammetgleich die Erde farbig spielt, Der Roggen sanft, so weit das Auge spähet, Die schlanken, vollen Halme wehet – Der Sonnenstrahl…

Angst auf der Landstraße

„Was ich Ihnen sagen wollte", sagte Jermolai, zu mir in die Stube tretend – ich hatte eben zu Mittag gegessen und mich auf mein Feldbett gelegt, um nach einer recht erfolgreichen, aber ermüdenden Birkhuhnjagd auszuruhen – es war gegen Mitte Juli und die Hitze war fürchterlich . . . „Was ich Ihnen sagen wollte: das Schrot ist uns ausgegangen." Ich sprang vom Bette auf. „Das Schrot ist ausgegangen? Wieso? Wir hatten doch an die dreißig Pfund von zu Hause mitgenommen!…

Die lebende Reliquie

Land der Dulder und der Demut, Meine Heimat, Russenerde! F. Tjutschew. Ein französisches Sprichwort lautet; „Der trockene Fischer und der nasse Jäger bieten einen traurigen Anblick.“ Da ich für die Fischerei niemals etwas übrig gehabt habe, vermag ich nicht darüber zu urteilen, was ein Fischer bei gutem, heiterem Wetter empfindet und inwiefern das Vergnügen, das ihm eine reiche Beute bei Regenwetter verschafft, die Unannehmlichkeit, naß zu sein, aufwiegt. Für den Jäger ist aber das Regenwetter ein wahres Unglück. Und von…

Kasan von der schönen Aussicht

Ich kehrte in einem Wägelchen, das stark rüttelte, von der Jagd zurück, schlummerte, von der schwülen Hitze des bewölkten Sommertages erdrückt (bekanntlich ist die Hitze an solchen Tagen noch unerträglicher als an heiteren, besonders wenn es windstill ist), ein wenig ein und schaukelte hin und her, mich mit düsterer Geduld dem feinen, weißen Staube preisgebend, der sich von der ausgefahrenen Straße unter den ausgetrockneten und ratternden Rädern unaufhörlich erhob –, als meine Aufmerksamkeit plötzlich von der ungewöhnlichen Unruhe und den…

Die Beschinwiese

Es war ein herrlicher Julitag, einer von den Tagen, die nur dann vorkommen, wenn kein Wetterumschlag zu erwarten ist. Der Himmel ist dann vom frühen Morgen an heiter; das Morgenrot flammt nicht wie eine Fenersbrunst; die Sonne ist nicht feurig und glühend wie zur Zeit einer Dürre, auch nicht trüb-blutrot wie vor einem Sturme, sondern schwebt hell und freundlich unter einer schmalen und langen Wolke hervor, leuchtet heiter und versinkt im lilagrauen Nebel. Der obere dünne Rand der langgestreckten Wolke…

Burmistr

Etwa fünfzehn Werst von meinem Gut wohnt ein Bekannter von mir, ein junger Gutsbesitzer, der Gardeoffizier a.D. Arkadij Pawlytsch Pjenotschkin. Auf seiner Besitzung gibt es viel Wild, sein Haus ist nach dem Plan eines französischen Architekten errichtet, seine Leute sind englisch gekleidet, er gibt ausgezeichnete Diners und empfängt seine Gäste gastfreundlich, und doch fährt man nicht gern zu ihm hin. Er ist ein vernünftiger und solider Mensch, hat, wie es so geht, eine ausgezeichnete Erziehung genossen, hat gedient und sich…

Lebedjan

Einer der Hauptvorzüge der Jagd, meine lieben Leser, besteht darin, daß sie Sie zwingt, fortwährend von einem Ort zum anderen zu ziehen, was für einen müßigen Menschen recht angenehm ist. Allerdings ist es zuweilen (besonders in der Regenzeit) nicht sehr angenehm, sich auf den Feldwegen herumzutreiben, auch ohne Weg und Steg direkt übers Feld zu gehen, jeden vorübergehenden Bauern mit der Frage anzuhalten: „He, Liebster! Wie kommen wir nach Mordowka?" und in Mordowka ein stumpfsinniges Weib (alle Männer sind auf…

Tschertopchanow und Nedopjuskin

An einem heißen Sommertag kehrte ich einmal in einem einfachen Bauemwagen von der Jagd heim; Jermolai duselte neben mir sitzend und nickte fortwährend mit dem Kopf. Die schlafenden Hunde wurden unter unseren Füßen wie Leichen herumgerüttelt. Der Kutscher verscheuchte fortwährend mit seiner Peitsche die Bremsen von den Pferden. Der weiße Staub folgte als leichte Wolke dem Wagen. Wir kamen in ein Gebüsch. Der Weg wurde holpriger, die Räder fingen an, die Äste zu streifen. Jermolai fuhr auf und sah sich…