Die Reise mit der Beagle

Erstes Kapitel. Sankt Jago. – Die Inseln des grünen Vorgebirges. 16. Januar 1832. – Die Gegend von Porto Praya hat vom Meere aus gesehn, ein ödes Ansehen. Das vulkanische Feuer verflossener Jahrhunderte und die brennende Hitze einer tropischen Sonne sind die Ursache, daß das Land unfruchtbar und zum Pflanzenwuchs untauglich ist. Es erhebt sich in auf einander folgenden tafelförmigen Terrassen, hie und da finden sich stumpfe kegelförmige Hügel und eine unregelmäßige Kette von höheren Bergen begrenzt den Horizont. Durch die dunstige Atmosphäre dieses Klimas betrachtet, hat die Scene allerdings Interesse; doch darf dabei nicht vergessen werden, daß einer, der von der See kommt und nun gerade zum ersten Male in seinem Leben in einem Haine von Kokospalmen gewandelt ist, kaum einen andern Maßstab als den seiner eigenen Glückseligkeit an Alles anlegt. Im Allgemeinen ist die Insel sehr uninteressant, aber für Jemand, der bloß an eine englische Landschaft gewöhnt ist, hat der fremdartige Anblick eines gänzlich unfruchtbaren Landes eine Größe, die ein bedeutender Pflanzenwuchs stören würde. Kaum sehen wir ein grünes Blatt auf den weiten Strecken der Lava-Ebenen, doch ernähren sich darauf Ziegenheerden und einige Kühe. Es regnet selten; aber während einer kurzen Zeit des Jahres fallen heftige Regengüsse, und unmittelbar darauf kommt eine geringe Vegetation aus jeder Spalte zum Vorschein. Aber schnell stirbt sie wieder ab, und von diesem natürlichen Heu leben die Thiere. Jetzt hat es während eines ganzen Jahres nicht geregnet. Die breiten und flachen Theilen von denen manche nur während einiger Tage in der Regenzeit als Strombette dienen, sind mit einem Dickicht von blätterlosem Gesträuch bedeckt. Wenige lebende Geschöpfe wohnen hier. Der gemeinste Vogel ist ein Eisvogel (Dacelo jagoensis), der zahm auf den Zweigen des Ricinusstrauches sitzt und von dort sich auf Heuschrecken und Eidechsen herabstürzt. Er hat glänzende Farben, ist indessen nicht so schön wie die europäische Art; auch in seinem Fluge, seiner Lebensweise und seinem Standorte, der sich gewöhnlich in den trockensten Thälern findet, besteht ein bedeutender Unterschied.

Zwei Officiere und ich selbst ritten eines Tages nach dem Dorfe Ribeira Grande, das nur wenige Meilen östlich von Porto Praya liegt. Bis wir das Thal von Sct. Martin erreichten, hatte das Land sein gewöhnliches dunkelbraunes Ansehen; dort aber ruft ein kleiner Bach einen erfrischenden Rand von reichlicher Vegetation hervor. In einer Stunde kamen wir nach Ribeira Grande und erstaunten, die Trümmer einer Festung und einer Kathedrale zu finden. Die kleine Stadt war der Hauptplatz auf der Insel, ehe ihr Hafen versandete: jetzt bietet sie einen melancholischen aber sehr malerischen Anblick dar. Nachdem wir uns einen schwarzen Padre als Wegweiser und einen Spanier, der während des Krieges auf der Halbinsel gedient hatte, als Dolmetscher verschafft hatten, besuchten wir mehrere Gebäude, deren vorzüglichstes eine alte Kirche war. Hier liegen die Gouverneure und die Generalcapitäne der Inseln begraben. Einige Grabsteine haben Jahreszahlen aus dem sechzehnten Jahrhundert. Nur die Wappenzeichen erinnerten uns an diesem einsamen Platze an Europa. Die Kirche oder Kapelle bildete eine Seite eines Vierecks, in dessen Mitte eine große Gruppe von Bananen wuchs. Auf einer anderen Seite war ein Hospital, das etwa ein Dutzend elend aussehende Bewohner hatte.

Wir kehrten zur »Venda« zurück, um unser Mittagsmahl zu verzehren. Eine beträchtliche Zahl von Männern, Weibern und Kindern, die alle so schwarz wie Nuß waren, versammelten sich um uns herum. Unsere Begleiter waren ausnehmend lustig und auf alles, was wir sagten oder thaten, folgte ein herzliches Lachen. Ehe wir die Stadt verließen, besuchten wir die Kathedrale. Sie scheint nicht so reich zu sein wie die kleinere Kirche, aber als ihr Stolz wird eine kleine Orgel angesehen, die ganz besonders unharmonische Töne hören ließ. Wir gaben dem schwarzen Priester einige kleine Münze; der Spanier streichelte ihm den Kopf und bemerkte gutherzig, daß seine Farbe keinen großen Unterschied mache. So schnell als die Pferde uns tragen wollten, kehrten wir sodann nach Porto Praya zurück. Ein ander Mal ritten wir nach dem Dorfe Sct. Domingo, das beinahe im Mittelpunkte der Insel liegt. Aus einer kleinen Ebene, über die wir kamen, wuchsen einige verkrüppelte Acacien, ihre Spitzen waren durch die Einwirkung der stetigen Passatwinde auf eine sonderbare Weise gebogen, einige davon selbst in einem rechten Winkel mit dem Stamme. Die Richtung der Aeste war genau von Nordost zu Nord nach Südwest zu Süd. Diese natürlichen Wetterfahnen müssen die vorherrschende Richtung des Passatwindes anzeigen. Unsere Reise hatte so wenig Spuren auf dem dürren Boden zurückgelassen, daß wir unsern Weg verfehlten und den nach Fuentes einschlugen. Wir fanden dies erst, als wir dort ankamen, waren aber nicht ungehalten über unsern Irrthum. Fuentes ist ein hübsches Dorf mit einem kleinen Bache; alles schien in der That wohl zu sieben, mit Ausnahme seiner Einwohner. Die schwarzen und ganz nackten Kinder sahen sehr armselig aus und trugen Bündel von Brennholz halb so groß wie sie selbst.

Nahe bei Fuentes sahen wir eine große Heerde von Perlhühnern wahrscheinlich fünfzig bis sechzig Stück. Sie waren sehr scheu und ließen sich nicht zu nahe kommen. Sie vermieden uns wie Feldhühner an einem regnichten Septembertag und liefen mit erhobenem Kopfe; verfolgte man sie, so bedienten sie sich schnell ihrer Flügel. Die Landschaft von Sct. Domingo besitzt eine Schönheit, die der vorherrschende düstere Charakter der Insel durchaus nicht erwarten läßt. Das Dorf liegt im Grunde eines Thales, das von erhabenen und zerrissenen Mauern von geschichteter Lava begrenzt wird. Die schwarzen Felsen bilden einen höchst auffallenden Abstich mit der hellgrünen Vegetation, die sich längs des Ufers eines kleinen Baches von klarem Wasser hinzieht. Bei unserer Rückkehr holten wir eine Gesellschaft von etwa zwanzig jungen schwarzen Mädchen ein, die sehr geschmackvoll angekleidet waren; ihre schwarze Haut und schneeweiße Leinwand wurde von farbigen Turbanen und großen Tüchern noch mehr hervorgehoben. Als wir ihnen näher kamen, drehten sie sich alle plötzlich herum, bedeckten den Pfad mit ihren Tüchern und sangen mit großem Feuer einen wilden Gesang, wozu sie mit ihren Händen auf ihre Beine schlugen. Wir warfen ihnen einige Münzen hin, die sie mit lautem Gelächter empfingen, und sie verdoppelten das Geräusch ihres Gesanges, als wir sie verließen.

Es wurde bereits bemerkt, daß die Atmosphäre gewöhnlich dunstig oder von Höhenrauch erfüllt ist; dies scheint hauptsächlich an einem unmerklichen Staube zu liegen, der beständig niederfällt, selbst auf Schiffe, die weit aus im Meere sind. Der Staub ist von einer braunen Farbe und schmilzt leicht unter dem Löthrohr zu einer schwarzen Emaille. Ich glaube, er wird durch die Abnutzung der vulkanischen Felsen hervorgebracht und kommt von der Küste von Afrika. Eines Morgens war der Himmel ausnehmend klar; die entfernten Berge erschienen mit den schärfsten Umrissen auf einer dichten Schichte von schwarzblauen Wolken. Dem Ansehen nach und nach ähnlichen Fällen in England urtheilend, glaubte ich, die Luft sei mit Feuchtigkeit gesättigt. Es zeigte sich indessen, daß gerade das Gegentheil der Fall war. Das Hygrometer zeigte einen Unterschied von 2973 Graden zwischen der Temperatur der Luft und dem Thaupunkte. Dieser Unterschied war beinahe doppelt so groß als ich ihn an früheren Morgen bemerkt hatte. Dieser ungewöhnliche Grad von atmosphärischer Trockenheit war von beständigem Blitzen begleitet. Ist es nicht ganz ungewöhnlich, einen so merkwürdigen Grad von durchsichtiger Atmosphäre mit einem solchen Zustande des Wetters verbunden zu sehen?

Die geologische Beschaffenheit dieser Insel ist der interessanteste Theil seiner Naturgeschichte. Wenn man in den Hafen einfährt, so sieht man in der Klippe einen vollkommen horizontalen weißen Streifen sich mehrere Meilen der Küste entlang hinziehen. Er findet sich in einer Höhe von ungefähr 45 Fuß über dem Wasser. Die Untersuchung ergiebt, daß diese weiße Schichte aus Kalkmasse besteht, in der sich zahllose Muscheln eingelagert finden, und zwar von den Arten, wie man sie noch jetzt an der benachbarten Küste findet, daß sie auf älteren vulkanischen Felsarten ruht und von einem Basaltstrome bedeckt ist, der zu einer Zeit in das Meer geflossen sein muß, als das weiße Muschelbett noch auf seinem Grunde lag. Es ist interessant die Veränderungen zu verfolgen, die die Gluth der überliegenden Lava auf die bröcklichte Masse hervorgebracht hat. An einigen Stellen ist sie in einen festen Stein von mehreren Zoll Dicke verwandelt, der die Härte des besten Sandsteines hat, und die Erdmasse, die ursprünglich mit der Kalkmasse vermischt war, hat sich in kleine Stellen abgesondert, und auf diese Weise den Kalkstein weiß und rein zurückgelassen. In anderm Stellen hat sich ein höchst krystallinischer Marmor gebildet und die Krystalle des kohlensauren Kalkes sind so vollkommen, daß man sie leicht vermittelst des reflectirenden Goniometers messen kann. Die Veränderung ist da ganz besonders sichtbar, wo der Kalk von den schlackenartigen Bruchstücken der unteren Fläche des Stromes mit fortgerissen wurde; hier hat er sich in Gruppen von schönen strahligen Fasern verwandelt, die dem Arragonit gleichen. Die Lavaschichten erheben sich in auf einander folgenden sanft gesenkten Ebenen nach dem Innern zu, von wo die Fluth des geschmolzenen Steines ursprünglich herkam. Ich glaube, daß innerhalb der historischen Zeit sich keine Zeichen vulkanischer Thätigkeit in irgend einem Theile von St. Jago kund gegeben haben. Dieser Zustand der Ruhe hängt aber wahrscheinlich davon ab, daß die benachbarte Insel Fogo häufigen Ausbrüchen unterworfen ist. Selbst die Gestalt eines Kraters kann nur selten auf dem Gipfel eines von den rothen Aschenhügeln aufgefunden werden; doch unterscheidet man die neueren Ströme an der Küste, die eine Reihe von weniger hohen Klippen bilden, sich indessen weiter als die erstrecken, welche einer älteren Bildung angehören: die Höhe der Klippe bietet auf diese Weise einen rohen Maßstab für das Alter dar.

Während unseres Aufenthaltes beobachtete ich die Lebensweise einiger Seethiere. Eine große Aplysia ist sehr häufig. Diese Seemolluske ist ungefähr fünf Zoll lang, von einer schmutzig-gelblichten Farbe mit purpurrothen Adern, an dem vorderen Ende hat sie zwei Paar Fühler, von denen die oberen an Gestalt den Ohren eines vierfüßigen Thieres ähnlich sehen; auf jeder Seite der unteren Fläche oder des Fußes ist eine breite Haut, die bisweilen wie ein Ventilator zu wirken scheint, indem sie einen Wasserstrom über die Rückenkiemen hintreibt. Sie lebt von zarten Seepflanzen, die zwischen den Steinen in schlammichtem und niedrigem Wasser wachsen, und ich fand in ihrem Magen verschiedene kleine Kiesel, wie in dem Magen der Vögel. Wenn diese Schnecke gestört wird, so giebt sie eine sehr schöne purpurrothe Flüssigkeit von sich, die das Wasser einen Fuß weit im Umkreise färbt. Außer diesem Vertheidigungsmittel ist ihr Körper von einer scharfen Absonderung bedeckt, die ein heftiges Gefühl von Brennen veranlaßt, ganz ähnlich dem, das von der Physalia oder Seeblase hervorgebracht wird. Mehrmals sah ich mit Vergnügen den Manieren eines Octopus oder Tintenfisches zu. Obgleich sehr gewöhnlich in den Wasserlöcher, die die zurückziehende Fluth zurückgelassen, sind diese Thiere doch schwer zu fangen. Vermittelst ihrer langen Arme und Saugern können sie ihre Körper in sehr enge Spalten zurückziehen und wenn sie einmal auf diese Weise befestigt sind, so ist große Gewalt nöthig sie zu entfernen. Zuweilen sprangen sie, mit dem Schwanze voran, mit der Schnelle eines Pfeils von einer Seite des Pfuhls zur andern und färbten in demselben Augenblicke das Wasser mit einer dunklen kastanienbraunen Tinte. Diese Thiere entgehen auch leicht der Entdeckung, indem sie Chamäleon gleich ihre Farbe auf eine außerordentliche Weise verändern können; und zwar das letztere nach der Beschaffenheit des Bodens über den sie sich fortbewegen. Waren sie im tiefen Wasser, so war die allgemeine Färbung ein bräunlicher Purpur, nahm man sie indessen ans Land oder in seichtes Wasser, so veränderte sich diese dunkle Farbe in ein gelbliches Grün. Untersuchte man die Farbe genauer, so war sie ein französisches Grau mit zahllosen kleinen Flecken von einem hellen Gelb: die Erstere war in ihrer Stärke Verschieden, die Letztere verschwand ganz und erschien wieder. Diese Veränderungen fanden auf solche Weise statt, daß beständig Wolken über den Körper zogen, die zwischen einem Hyacinthroth und Kastanienbraun variirten, unterwarf man irgend einen Theil einer leichten Einwirkung des Galvanismus, so wurde er fast schwarz, eine ähnliche Wirkung, obgleich in geringerem Grade, wurde hervorgebracht, wenn man die Haut mit einer Nadel kratzte. Diese Wolken oder Anflüge, wie man sie nennen kann, sollen durch die wechselweise Ausdehnung und Zusammenziehung von kleinen Bläschen, die verschieden gefärbte Flüssigkeit enthalten, hervorgebracht werden.

Dieser Tintenfisch zeigte seine chamäleongleiche Eigenschaft sowohl während des Schwimmens, als wenn er ruhig auf dem Boden liegen blieb. Sehr possirlich waren die verschiedenen Künste eines Individuums, um sich der Entdeckung zu entziehen, da es vollständig gewahr zu sein schien, daß ich es bewachte. Bisweilen blieb es eine Zeit lang bewegungslos, dann bewegte es sich heimlich einen oder zwei Zoll vorwärts, wie eine Katze nach einer Maus; bisweilen veränderte es seine Farbe und fuhr in dieser Weise fort, bis es eine tiefere Stelle erreicht hatte, wo es dann plötzlich hinwegschoß und eine dunkle Spur von Tinte zurückließ, um das Loch zu verbergen, wohin es gekrochen war.

Indem ich mich nach Seethieren umsah und meinen Kopf ungefähr zwei Fuß über dem felsigen Ufer hatte, begrüßte mich mehr als einmal ein Wasserstrahl, der von einem leichten knirschenden Geräusche begleitet war. Ich wußte anfangs nicht, woher es kam, fand aber später heraus, daß es der Tintenfisch war, der mich auf diese Weise, obgleich verborgen, oft zu seiner Entdeckung führte. Daß er die Kraft besitzt, Wasser auszuwerfen, ist keinem Zweifel unterworfen, und ich versicherte mich außerdem, daß er durch die Richtung der Röhre oder der Spritze an der unteren Seite seines Körpers gut zielen kann. Da es diesen Thieren schwer wird, ihre Köpfe zu tragen, so können sie nicht mit Leichtigkeit kriechen, wenn sie auf den Boden gesetzt werden. Ich beobachtete, daß einer, den ich in meiner Kajüte hatte, etwas im Dunklen leuchtete.

Felsen von St. Paul. – Indem wir über das atlantische Meer hinüberfuhren, legten wir an dem Morgen des IS. Februars nahe der Insel von St. Paul bei. Diese Felsen-Gruppe liegt 0° 58′ nördlicher Breite und 29° 15′ westlicher Länge; 540 Meilen von der Küste von Amerika und 350 von der Insel Fernando Roranha. Ihr höchster Punkt ist nur 50 Fuß über dem Meeresspiegel und ihr ganzer Umfang ist noch nicht eine dreiviertel Meile. Dieser kleine Punkt erhebt sich abschüssig aus den Tiefen des Oceans. Seine mineralogische Beschaffenheit ist nicht einfach; an einigen Plätzen finden sich Quarz, an anderen Feldspath-Felsen; in dem letzteren Falle enthalten sie dünne Adern von Serpentin, mit Kalkmasse gemischt.

Es ist ein merkwürdiger Umstand, daß diese Felsen nicht vulkanischen Ursprungs sind, da doch mit sehr wenigen Ausnahmen die in der Mitte großer Meere gelegenen Inseln so beschaffen sind. Da die höchsten Gipfel hoher Gebirgszüge einst als Inseln fern vom Festlande bestanden, so ließe sich erwarten, daß sie häufiger aus vulkanischen Gebirgsarten bestehen würden. Es wird deßhalb interessant, über die Veränderungen nachzudenken, die manche der jetzt bestehenden Inseln erleiden würden, während dem Verlaufe der unberechenbaren Zeit, die nöthig wäre, sie zu schneebedeckten Gipfeln emporzuheben. Nehmen wir z. B. Ascension oder St. Helena, die beide lange in erloschenem Zustande existirten, so können wir versichert sein, daß ehe eine so unermeßliche Periode verlaufen könnte, während welcher die Oberfläche beständiger Abnutzung und Verwitterung ausgesetzt wäre, so daß der bloße Kern oder das Innerste der Insel zurückbleiben würde; so würde vielleicht, nachdem jedes Bruchstück des zelligen Felsens zersetzt wäre, eine Masse dichten Gesteins wie Phonolit oder Grünstein die Spitze eines neuen Chimborasso bilden.

Die Felsen von St. Paul erscheinen aus der Ferne von einer glänzend weißen Farbe. Diese ist theils die Folge des Mistes einer großen Menge von Seevögeln, theils der Bekleidung mit einer glänzend weißen Substanz, die innig mit der Oberfläche der Felsen vereinigt ist. Wenn man diese mit einer Linse untersucht, so findet man, daß sie aus zahllosen ausnehmend dünnen Lagen besteht, deren ganze Dicke ungefähr den zehnten Theil eines Zolles ausmachen. Die Oberfläche ist glatt und hat einen Perlenglanz. Sie ist beträchtlich härter wie Kalkspath, obgleich sie sich mit einem Messer kratzen läßt, zerknittert unter dem Löthrohre, schwärzt sich etwas und giebt einen stinkenden Geruch. Sie besteht aus phosphorsaurem Kalke mit einigen Beimischungen und ihr Ursprung hängt ohne Zweifel von der Wirkung des Regens oder dem Benetzen des Vogeldungs mit Seewasser ab. Ich will hier bemerken, daß ich in einigen Höhlen in den Lavafelsen von Ascension bedeutende Massen von der Substanz fand, die Guano genannt wird, und welche sich an der Westküste des tropischen Südamerika in großen Lagen und von der Dicke einiger Ellen auf kleinen Inseln findet, die von Seevögeln besucht werden. Nach der Analyse von Fourcroy und Bauquelin besteht sie aus harnsaurem, phosphorsaurem und kleesaurem Kalke, Amoniak und Pottasche, mit einigen anderen Salzen und etwas fettiger und erdiger Materie vermischt. Ich glaube, es ist das beste Dungmittel, das je entdeckt worden ist. In Ascension, nahe am Guano, hingen stalaktitische oder traubenförmige Massen von unreinem phosphorsaurem Kalke an dem Basalte an. Die Grundfläche von diesen hatte eine erdige Textur, aber die Enden waren glatt und glänzend und hinreichend hart, um gewöhnliches Glas zu tragen. Diese Stalaktiten schienen sich vielleicht durch die Entfernung von irgend einer löslichen Materie während des Actes des Festwerdens zusammengezogen zu haben und hatten darum eine unregelmäßige Form. Ähnliche stalaktitische Massen sind, wie ich glaube, keineswegs von ungewöhnlichem Vorkommen, obgleich mir nicht bekannt ist, daß sie jemals bemerkt wurden.

Ich bemerkte nur zwei Arten von Vögel, eine Art Tölpel und der letztere eine Seeschwalbe. Beide sind zahm und dumm und sind so wenig an Besucher gewöhnt, daß ich so viele als ich wollte mit meinem geologischen Hammer hätte todtschlagen können. Der erstere legt seine Eier auf den bloßen Felsen, die Seeschwalbe indessen macht ein sehr einfaches Nest von Seegras. Bei manchen von diesen Nestern lag ein kleiner fliegender Fisch, den wahrscheinlich der männliche Vogel für sein Weibchen herbeigebracht hatte. Es war lustig zu sehen, wie schnell eine große und lebendige Krabbe (Graspus), die die Felsenspalten bewohnt, den Fisch von der Seite des Nestes wegstahl, sobald wir die Vögel gestört hatten. Keine einzige Pflanze, nicht einmal eine Flechte, wächst aus dieser Insel; doch ist sie von mehreren Insekten und Spinnen bewohnt. Die nachfolgende Liste giebt, wie ich glaube, die Land-Fauna vollständig: eine Art Feronia und ein Acarus, welche als Schmarotzer auf den Vögeln hierher gekommen sein müssen; eine kleine braune Motte, zu einer Gattung gehörend, die sich von Federn nährt; ein Staphylinus (Quedius) und eine Holzlaus unter dem Dung; und endlich zahllose Spinnen, die sich wahrscheinlich von jenen kleinen Schmarotzern nähren, und die Seevögel von ihnen reinigen. Die oft wiederholte Beschreibung der ersten Colonisten auf den Koralleninseln in der Südsee ist wahrscheinlich nicht ganz richtig; ich fürchte, es wird die Poesie der Geschichte aufheben, wenn man findet, daß diese kleinen, verachteten Insekten Besitz ergreifen, ehe noch die Kokuspalme und andere edlere Pflanzen erschienen sind.

Der kleinste Felsen in den tropischen Meeren giebt einen Haltpunkt für die Existenz zahlloser Arten von Seegewächsen und zusammengesetzten Thieren und ernährt aus diese Weise eine große Zahl von Fischen. Die Haifische und die Matrosen in den Booten stritten sich unaufhörlich, wer den größten Antheil an der mit der Angel gefangenen Ausbeute haben sollte. Ich habe gehört, daß ein Felsen bei den Bermudas-Inseln, der viele Meilen weit in der See liegt und von beträchtlicher Wassertiefe bedeckt ist, zuerst dadurch entdeckt wurde, daß man Fische in seiner Nachbarschaft bemerkte.

Fernando Roronha. 20sten Februar. – So viel ich während eines Aufenthaltes von wenigen Stunden an diesem Platze bemerken konnte, ist die Bildung dieser Insel vulkanisch, doch wahrscheinlich aus einer älteren Periode. Das Hervorragendste ist ein kegelförmiger Berg, ungefähr 1000 Fuß hoch, dessen oberer Theil ausnehmend steil ist und auf einer Seite seine Basis überhängt. Die Felsart ist Phonolit und ist in unregelmäßige Säulen zertheilt. Auf den ersten Eindruck, wenn man eine dieser isolirten Massen betrachtet, ist man geneigt zu glauben, daß das Ganze plötzlich in einem halbflüssigen Zustande hervorgetrieben wurde. Ich fand indessen auf St. Helena, daß einige solcher Gipfel von ganz ähnlicher Gestalt und Beschaffenheit, durch das Herauftreiben des geschmolzenen Gesteins zwischen die nachgebenden Schichten gebildet worden waren, die aus diese Weise das Modell für diese riesenhaften Obelisken abgegeben hatten. Die ganze Insel ist mit Holz bedeckt; aber wegen der Trockenheit des Klimas ist kein Anschein von Ueppigkeit vorhanden. In einiger Höhe gaben große Massen des in Säulen getheilten Felsens, die von Lorbeer beschattet, und von einem Baume geziert sind, den schöne blaß-rothe Blumen, gleich denen eines Fingerhuts, bedecken, aber kein einziges Blatt haben, den näheren Theilen der Landschaft eine angenehme Wirkung.

Bahia oder San Salvador in Brasilien. 29sten Februar. Dieser Tag war ein Freudentag für mich. Denn Freude muß ein Naturforscher empfinden, der zum ersten Male in einem brasilianischen Walde herumgewandert ist. Unter der Menge auffallender Gegenstände trägt die allgemeine Üppigkeit der Vegetation den Sieg davon. Die Zierlichkeit der Gräser, die Neuheit der Schmarotzerpflanzen die Schönheit der Blumen, das dunkle Grün des Laubwerks wirken alte hierbei mit. Eine höchst merkwürdige Mischung von Geräusch und Schweigen herrscht in den schattigen Theilen des Waldes. Das Geräusch von den Insekten ist so laut, daß man es selbst in einem Schiffe hören kann, das ziemlich weit von dem Ufer vor Anker liegt, und doch scheint in der Einsamkeit des Waldes ein allgemeines Schweigen zu herrschen. Dem, der an Naturgeschichte Gefallen hat, gewährt ein solcher Tag mehr Vergnügen, als er je wieder zu haben hoffen darf. Nachdem ich einige Stunden herumgewandelt, kehrte ich zum Landungsplatze zurück, ehe ich ihn aber erreichte, überholte mich ein tropischer Sturm. Ich suchte Schutz unter einem Baume, der so dick belaubt war, daß ein gewöhnlicher englischer Regen nie durchgedrungen sein würde. Hier indessen floß in ein Paar Minuten ein kleiner Strom den Stamm herunter. Diesen heftigen Regengüssen muß das Grün in dem dicksten Waldesgrunde zugeschrieben werden; wären die Regengüsse gleich denen in einem kälteren Klima, so würde der größere Theil des Wassers aufgesaugt oder verdunstet sein, ehe es den Boden erreichte. Ich will hier nicht versuchen, die bunte Pracht dieser herrlichen Bucht zu beschreiben, da wir bei unserer Heimreise hier ein zweites Mal anhielten und ich Gelegenheit haben werde, daraus zurückzukommen.

Die Geologie des benachbarten Landes besitzt wenig Interesse. Längs der Küste von Brasilien und sicherlich auf eine beträchtliche Weite landeinwärts von dem Rio Plata bis zum Vorgebirge Sanct Roque, 5° Südbreite, eine Entfernung von mehr als 2000 geographischen Meilen, gehört die Felsart überall zur granitischen Bildung.

Manche merkwürdige Betrachtungen werden hervorgerufen durch den Umstand, daß dieser große Flächenraum aus einer Masse gebildet ist, von der fast jeder Geologe glaubt, daß sie durch die Wirkung von Hitze unter einem Druck krystallisirte. Wurde diese Wirkung in der Tiefe eines unergründeten Oceans hervorgebracht, oder erstreckte sich eine Decke von anderen Felsarten darüber hin, die seitdem entfernt wurden? Können wir glauben, daß irgend eine, durch eine unendliche Zeit thätige Kraft den Granit über so manche Tausend Quadratmeilen entblößt haben kann?

An einer Stelle nicht weit von der Stadt, wo sich ein Bach in die See einmündet, bemerkte ich einen Umstand, über den bereits Humboldt gesprochen hat. An den Katarakten der großen Flüsse Orinoco, Nil und Kongo sind die syenitischen Felsen von einer schwarzen Substanz bekleidet, die aussieht, als wenn sie mit Reißblei geschwärzt worden sei. Die Lage ist ausnehmend dünn, und Berzelius fand bei der Analyse, daß sie aus den Oxyden von Mangan und Eisen besteht. In dem Orinoco kommt sie aus den Felsen vor, die periodisch von der Fluth benetzt werden, und zwar nur an den Stellen, wo der Strom reißend ist, oder, wie die Indianer sagen, »die Felsen sind schwarz, wo die Wasser weiß sind«. Die Decke ist hier dunkelbraun statt schwarz und scheint nur aus einer eisenhaltigen Substanz gebildet zu sein. Handstücke geben keine gehörige Vorstellung von diesen braunen polirten Steinen, die in den Sonnenstrahlen glänzen. Sie kommen nur an Plätzen vor, wohin die Fluth reicht und da der Bach langsam herunterrieselt, so muß die Brandung die polirende Kraft der Katarakte in den großen Flüssen ersetzen. Aus dieselbe Weise wirkt die Ebbe und Fluth wahrscheinlich wie die periodischen Ueberschwemmungen, und ebenso sind dieselben Ursachen unter anscheinend sehr verschiedenartigen Umständen zugegen. Der wirkliche Ursprung indessen von diesen Bedeckungen metallischer Oxyde, die gleichsam an die Felsen angekittet sind, ist unbekannt, und ich glaube, man weiß keinen Grund, anzugeben, warum ihre Dicke sich gleich bleibt.

Eines Tages ergötzten mich die Manieren eines Diodon, der nahe am Ufer schwimmend gefangen wurde. Es ist bekannt, daß dieser Fisch sich in eine beinahe sphärische Gestalt ausdehnen kann. Nachdem er eine kurze Zeit aus dem Wasser genommen und dann wieder eingetaucht worden war, so nahm er eine beträchtliche Menge von Wasser und Luft durch den Mund und vielleicht auch durch die Kiemenöffnungen auf. Dieser Proceß geht auf zweierlei Art vor sich; die Luft wird verschluckt und dann in die Bauchhöhle gedrängt, während ihr Rücktritt durch eine Muskelzusammenziehung verhindert wird, die äußerlich sichtbar ist; das Wasser indessen ging in einem Strom durch das offene und bewegungslose Maul ein; die letztere Tätigkeit muß deßhalb auf Aufsaugung beruhen. Die Haut auf dem Bauche ist viel lockerer, wie auf dem Rücken; deßhalb dehnt sich während des Aufblasens die untere Fläche weit mehr aus, als die obere; und der Fisch schwimmt mit seinem Rücken nach unten. Cuvier bezweifelt, daß der Diodon in dieser Lage schwimmen kann; er bewegt sich indessen nicht nur in einer geraden Linie vorwärts, sondern kann sich auch auf beide Seiten drehen. Diese letztere Bewegung wird allein mit Hülfe der Brustflossen bewirkt; der Schwanz ist zusammengefallen und wird nicht gebraucht. Da der Körper mit soviel Luft angefüllt war, so waren die Kiemenöffnungen außerhalb des Wassers; wurde aber ein Wasserstrom durch den Mund aufgenommen, so floß es beständig durch die letzteren aus.

War der Fisch eine kurze Zeit in diesem ausgedehnten Zustande gewesen, so trieb er gewöhnlich die Luft und das Wasser durch die Kiemenlöcher und den Mund mit beträchtlicher Gewalt heraus. Er konnte willkührlich einen Theil des Wassers von sich geben, und es scheint deßhalb wahrscheinlich, daß diese Flüssigkeit zum Theil eingenommen wird, um seine specifische Schwere zu reguliren. Dieser Diodon besaß mehrere Vertheidigungsmittel. Er konnte heftig beißen und Wasser aus einige Entfernung aus seinem Maule auswerfen, wobei er zu gleicher Zeit ein sonderbares Geräusch durch die Bewegung seiner Kinnladen hervorbrachte. Durch das Aufblasen seines Körpers wurden die Wärzchen, mit denen die Haut bedeckt ist, steif und spitz. Aber der merkwürdigste Umstand war, daß er, in die Hand genommen, eine sehr schöne karminrothe und fadige Absonderung von sich gab, die Elfenbein und Papier auf eine so dauernde Weise färbte, daß die Farbe bis zu dem heutigen Tage mit all ihrem Glanze fortbesteht. Die Natur und der Nutzen dieser Absonderung sind mir durchaus unbekannt.

18. März. – Wir verließen Bahia. Als wir einige Tage nachher nicht weit von den Abrolhos-Inselchen waren, wurde meine Aufmerksamkeit durch eine Färbung der See in Anspruch genommen. Die ganze Oberfläche des Wassers erschien unter einer schwachen Linse, als ob sie mit zerschnittenen Stückchen von Heu mit zersetzten Enden bedeckt wäre. Eins von den größeren Stückchen war .03 Zoll in Länge und .009 Zoll in Breite. Wenn man es genauer untersuchte, so schien jedes aus zwanzig bis sechzig cylindrischen Fasern zu bestehen, die vollkommen gerundete Enden haben und in regelmäßigen Zwischenräumen durch quere Scheidewände getheilt wurden, die eine bräunlich-grüne flockige Masse enthielten. Die Fasern müssen in irgend eine zähe Flüssigkeit eingehüllt sein, denn die Bündel hingen ohne eine wirkliche Berührung zusammen. Ich weiß nicht, zu welcher Familie diese Körper eigentlich gehören, aber sie ähneln in ihrem Bau im Allgemeinen den Conserven, die in jeder Pfütze wachsen. Diese einfachen Vegetabilien, die so eingerichtet sind, daß sie in dem offenen Ocean schwimmen können, müssen sich an gewissen Plätzen in unermeßlicher Anzahl vorfinden. Das Schiff passirte mehrere Streifen davon, von denen einer ungefähr zehn Ellen breit und, nach der schlammartigen Farbe des Wassers zu urtheilen, wenigstens zwei und eine halbe Meile lang war. In fast jeder längeren Reise wird Nachricht über diese Conserven gegeben. Sie sind besonders gemein in dem Meere von Australien. Auf der Höhe von Cap Leeuwin fand ich welche, den oben beschriebenen sehr ähnliche; sie unterschieden sich hauptsächlich darin, daß die Bündel etwas kleiner waren, und aus wenigeren Fasern zusammengesetzt waren. Capitain Cook bemerkt in seiner dritten Reise, daß die Matrosen dieser Erscheinung den Namen von Seesägespänen gaben.

Ich will hier bemerken, daß ich zwei Tage vor unserer Ankunft in den Keeling-Inseln im indischen Ocean an manchen Stellen Massen von flockiger Substanz von einer bräunlich-grünen Farbe in der See herumschwimmen sah. Sie waren verschieden, in Größe von einem halben bis zu drei oder vier Quadratzoll und von ganz unregelmäßiger Gestalt. In einem undurchsichtigen Gefäße konnte man sie kaum unterscheiden, aber in einem Glase waren sie ganz deutlich. Unter dem Mikroskope sah man, daß die flockige Masse aus zwei Arten von Conserven bestand, aber ich weiß durchaus nicht, ob zwischen beiden irgend ein Zusammenhang besteht. Kleine cylindrische und an jedem Ende kegelförmige Körper sind in großer Anzahl in eine Masse feiner Fäden verwickelt. Diese Fäden haben einen Durchmesser von ungefähr 2/3000 Zoll; sie haben eine innere Auskleidung und sind in unregelmäßigen und sehr weiten Zwischenräumen durch quere Seitenwände getheilt. Ihre Länge ist so groß, daß ich nie mit Sicherheit die Gestalt des unverletzten Endes auffinden konnte; sie sind alle krummlinicht und eine Masse davon zusammen ähnelt einer Handvoll Haar, das aufgewickelt und zusammengedrückt ist. Zwischen diesen Fäden und wahrscheinlich durch dieselbe zähe Flüssigkeit verbunden, schwimmt die andere Art von Körpern oder die cylindrisch durchsichtigen. Die zwei Enden von diesen endigen in Kegel, die zur feinsten Spitze ausgezogen sind; ihr Durchmesser ist ziemlich constant, zwischen .006 und .008 eines Zolles, aber ihre Länge wechselt beträchtlich von .04 bis .06 und zuweilen selbst .08. Nahe am Ende des cylindrischen Theiles kann man gewöhnlich eine grüne Scheidewand. aus körniger Masse gebildet und in der Mitte am dicksten wahrnehmen. Dieses ist wahrscheinlich der Grund eines sehr zarten farblosen Sackes, der aus einer pulpösen Substanz besteht, die die äußere Hülle bekleidet, aber nicht bis in die äußersten konischen Spitzen geht. In einigen ersetzten kleine aber vollkommene Kugeln von bräunlich-körnichter Masse die Stelle der Scheidewände und ich beobachtete den merkwürdigen Proceß, durch den sie gebildet worden. Die pulpige Masse der inneren Hülle gruppirte sich plötzlich in Linien, von denen einige eine aus einem gemeinsamen Mittelpunkte strahlende Gestalt annahmen, dann fuhr sie mit einer unregelmäßigen und schnellen Bewegung fort, sich selbst zusammen zu ziehen, so daß im Lauf einer Secunde das Ganze zu einer vollkommenen kleinen, Kugel vereinigt war, die die Stelle der Scheidewand an dem einen Ende des jetzt ganz hohlen Körpers einnahm. Es sah aus, als wenn eine elastische Haut, z. B. ein dünner Ball von elastischem Gummi von Luft ausgedehnt worden und dann zerplatzt sei; in welchem Falle die Ecken augenblicklich einschrumpfen und nach einer Stelle zusammenziehen. Die Bildung der körnichten Kugel wurde durch irgend eine zufällige Verletzung beschleunigt. Ich will noch bemerken, daß Färbung des Meeres durch Thiere häufig ein Paar dieser Körper mit einander verbunden waren, nämlich Kegel an Kegel, an dem Ende, wo die Scheidewand sich befindet.

Wenn sie unverletzt in der See schwimmen, so mag die Bildung der runden Sprossen vielleicht nur Statt haben, wenn zwei von den Pflanzen (oder vielmehr Thieren nach Bory Sct. Vincent) auf diese Weise sich an einander heften und mit einander vereinigen. Nichtsdestoweniger beobachtete ich diesen merkwürdigen Proceß an einigen Individuen, wenn sie getrennt waren und wo anscheinend keine Ursache von Störung zugegen war. Jedenfalls scheint es wegen der festen Bildung der Scheidewand nicht wahrscheinlich, daß alle körnige Masse von einem auf den anderen Körper übertragen wird, wie bei den wahren Thieren, zu deren Fortpflanzung zwei Individuen erforderlich sind.

Ich will hier einige andere Bemerkungen beifügen, die sich auf die Färbung der See aus organischen Ursachen beziehen. An der Küste von Chili, einige Lieues nördlich von Conception, segelte der Beagle eines Tages durch große Streifen schlammichten Wassers, und einen Grad südlich von Valparaiso war dieselbe Erscheinung noch bedeutender. Obgleich wir beinahe fünfzig Meilen von der Küste entfernt waren, so schrieb ich diesen Umstand doch zuerst wirklichen Strömen von schlammichtem Wasser zu, die der Fluß Maipo mit sich geführt. Als Herr Sulivan indessen davon in einem Glase heraufgezogen, glaubte er vermittelst einer Linse bewegende Punkte zu unterscheiden. Das Wasser war leicht wie von rothem Staube getrübt, und nachdem es einige Zeit ruhig gestanden, hatte sich eine rothe Wolke auf dem Grunde des Glases gebildet. Mit einer Linse von ¼ Zoll Brennweite konnte man kleine wasserhelle Punkte bemerken, die mit großer Geschwindigkeit herumführen und häufig zerplatzten. Unter stärkerer Vergrößerung fand man, daß sie eine eiförmige Gestalt hatten und in der Mitte durch einen Ring zusammengezogen waren, an welcher Linie kleine gekrümmte Borsten an allen Seiten hervorkamen, und dieses waren die Bewegungsorgane. Ein Ende des Körpers war schmäler und mehr zugespitzt als das andere. Nach Bory St. Vincent sind dieses Thiere, die zur Familie Trichodes gehören; es war indessen sehr schwer, sie mit Aufmerksamkeit zu untersuchen, denn in dem Augenblicke, wo die Bewegung aufhörte, selbst während sie das Gesichtsfeld passirten, zerborsten ihre Körper. Bisweilen zerborsten beide Enden zusammen, bisweilen nur eins, und eine grobe, bräunliche, körnige Materie wurde abgeschieden, die nur leicht zusammenhing. Der Ring mit den Borsten behielt bisweilen seine Reizbarkeit eine kurze Zeit nachdem der Inhalt des Körpers ausgeleert worden war und fuhr fort, sich auf eine krümmende ungleiche Weise zu bewegen. Das Thier dehnte sich einen Augenblick vor dem Bersten wieder zur Hälfte seiner natürlichen Größe aus, und die Explosion fand ungefähr fünfzehn Sekunden nachher Statt, nachdem die schnelle progressive Bewegung aufgehört hatte: in wenigen Fällen ging auf eine kurze Zeit eine kreisende Bewegung um die längere Axe voraus. Ungefähr zwei Minuten, nachdem einige in einem Tropfen Wasser isolirt worden waren, starben sie auf diese Weise. Die Thiere bewegen sich mit der schmalen Spitze vorwärts, mit Hülfe ihrer Flimmercilien und gewöhnlich in einem schnellen Schießen. Sie sind ausnehmend klein und für das nackte Auge unsichtbar, da sie nur einen Raum bedecken, so groß wie das Quadrat von 1/1000 Zoll. Ihre Zahl ist unermeßlich, denn der kleinste Wassertropfen, den ich entfernen konnte, enthielt viele. An einem Tage kamen wir durch zwei auf diese Weise getrübte Wasserräume, von denen einer allein sich über mehrere Quadratmeilen erstreckt haben muß. Welche unberechenbare Zahl dieser mikroskopischen Thiere! Die Farbe des Wassers, auf einige Entfernung gesehen, war wie die eines Flusses, der durch rothen Thon geflossen ist, aber unter dem Schatten des Schiffes war es so dunkel wie Chokolade. Die Linie, wo das rothe und blaue Wasser sich verbanden, war aufs Bestimmteste markirt. Das Wetter war einige Tage vorher windstill gewesen, und der Ocean war ungewöhnlich reich an lebenden Wesen. In Ulloas Reise ist eine Nachricht, daß er beinahe in demselben Breitengrade durch entfärbtes Wasser fuhr, das für eine Untiefe gehalten wurde: das Senkblei fand indessen keinen Grund, und nach seiner Beschreibung bin ich nicht zweifelhaft, daß es dieses kleine Thierchen war, das soviel Bestürzung verursacht hatte.

In dem Meere um das Feuerland und nicht weit vom Lande habe ich schmale Linien von hellroth gefärbtem Wasser gesehen, dessen Farbe von einer Unzahl von Crustaceen herrühren, die in Gestalt großen Seekrebsen ähnlich sind. Die Robbenfänger nennen sie Wallfischfutter. Ob die Wallfische wirklich von ihnen leben, weiß ich nicht, aber Seeschwalben, Cormorane und ungeheure Heerden großer plumper Robben erhalten ihre Hauptnahrung von diesen schwimmenden Krebsen. Die Matrosen schreiben immer die Entfärbung des Wassers dem Laich zu; aber ich fand nur einmal, daß dieses der Fall war. In der Entfernung mehrerer Lieues von dem Archipel der Galapagos-Inseln, segelte das Schiff durch drei Streifen eines dunkelgelben oder schlammartigen Wassers; diese Streifen waren einige Meilen lang, aber nur wenige Ellen breit, und sie waren von der umgebenden Fläche durch Auen buchtigen aber bestimmten Rand getrennt, Die Farbe wurde von kleinen gelatinösen Kugeln hervorgebracht, die 1/5 Zoll. im Durchmesser hatten und in denen zahllose kleine kuglichte Eichen eingebettet waren: sie waren von zweifacher Art, die einen von röthlicher Farbe und von verschiedener Gestalt wie die andern. Ich habe keine Muthmaßung, zu welchen zwei Arten von Thieren diese gehörten. Capitain Colnett bemerkt, daß diese Erscheinung sehr gewöhnlich in der Nähe der Galapagos-Inseln ist, und daß die Richtung der Streifen die der Strömung anzeigt; in dem angegebenen Falle wurde indessen die Linie durch den Wind verursacht. Ich habe nur noch die Erscheinung eines dünnen dichten Ueberzugs auf der Oberfläche des Wassers zu erwähnen, die in Regenbogenfarben spielt. Ich bemerkte eine beträchtliche Strecke des Oceans, die auf diese Weise bedeckt war, an der Küste von Brasilien, die Matrosen schrieben es dem faulenden Leichnam eines Wallfisches zu, der wahrscheinlich in nicht weiter Entfernung herumschwimme. Ich erwähne hier nicht die kleinen gelatinösen Körperchen, die häufig durch das Wasser zerstreut sind, denn sie finden sich nie in hinreichender Anzahl, um eine Farbenveränderung hervorzurufen.

In der obigen Erzählung erscheinen zwei Umstände als sehr merkwürdig: zuerst, wie werden die verschiedenen Körper, die die regelmäßig abgegrenzten Streifen bilden, zusammengehalten? In dem Falle der kleinen Krebse waren deren Bewegungen so gleichförmig, wie die eines Regiments Soldaten; dies kann aber nicht von irgend einer willkührlichen Bewegung bei den Eichen, oder den Conserven herrühren und ist auch nicht wahrscheinlich mit den Infusorien. Zweitens, was ist die Ursache der Länge und der geringen Breite der Streifen? Die Erscheinung hat so viel Aehnlichkeit mit der, welche man in jedem Strome sehen kann, wo der Strom sich in lange Streifen abwindet und der Schaum in den Wirbeln sammelt, daß ich die Wirkung· einer ähnlichen. Thätigkeit der Luft oder der Meeresströmungen zuschreiben muß. Unter dieser Voraussetzung können wir· uns vorstellen, daß die verschiedenen organisirten Körper in gewissen günstigen Plätzen hervorgebracht und von da durch die Richtung des Windes oder des Wassers fortbewegt werden. Ich muß indessen bekennen, daß man·sich kaum denken kann, daß ein Fleck der Geburtsort von Millionen von Thierchen und Conserven ist; denn wo kommen die Keime an solchen Stellen her, wenn die Eltern durch Wind und Welle über den unermeßlichen Ocean vertheilt worden sind? Ich weiß indessen keine andere Erklärung ihrer linienförmigen Anordnung. Ich will die Bemerkung von Scoresby hinzufügen, daß grünes Wasser, mit pelagischen Thieren angefüllt, fast unabänderlich in einem gewissen Theile des nördlichen Polarmeeres gefunden wird.