Doktor Kay

An einem schönen, hellen Nachmittag verließ der Schnellzug nach Eastbourne den Victoria-Bahnhof. Mary Boyd saß in einem Abteil Erster Klasse, aber sie hatte keinen Sinn für die Schönheit der Gegend und für den herrlichen Sonnenschein. Ebensowenig sah sie ihren Mitreisenden. Fast eine Stunde lang war er in die Lektüre seiner Zeitung vertieft und schien sich nicht im mindesten um die junge Dame zu kümmern.

Als der Zug geräuschvoll durch Three Bridges fuhr, schaute sie zufällig auf und begegnete seinem Blick. Der Mann war schlank und hager und mochte etwa vierzig Jahre zählen. An den Schläfen waren seine Haare leicht ergraut, aber sonst tiefbraun. Er trug sie aus der Stirn zurückgebürstet; im übrigen sah er aus wie ein erfolgreicher Kaufmann. Sein Anzug verriet, daß er Geschmack besaß und sich mit Sorgfalt zu kleiden wußte.

Mit einem Blick hatte sie sich ein Bild von ihm gemacht, von der Perlennadel in seiner Krawatte bis zu den Spitzen seiner tadellosen Lackschuhe. Und damit wäre wahrscheinlich auch ihr Interesse erloschen, wenn sie nicht durch den Blick der tiefen, dunklen Augen fasziniert worden wäre.

Nur eine Sekunde schaute sie ihn an, dann errötete sie leicht und sah zum Fenster hinaus.

»Sind Sie nicht Miss Boyd?«

Seine Stimme klang lief und melodisch und hatte einen äußerst sympathischen Klang.

Verwirrt sah sie ihn an und wußte nicht, was sie davon halten sollte. Argwohn, Verdacht, Scheu und Trotz drückten sich in ihrem Blick aus.

»Ja, ich bin Miss Boyd«, sagte sie dann ruhig und überlegte, ob sie ihm schon einmal begegnet wäre. Sie konnte es sich kaum denken, denn sicher hätte sie sein ausdrucksvolles Gesicht nicht vergessen.

»Ich bin Dr. Kay vom Innenministerium«, stellte er sich vor.

»Dr. Kay?« erwiderte sie überrascht. Sie erinnerte sich jetzt undeutlich an ihn. Frank mußte den Namen öfter erwähnt haben.

»Ich habe das Ende der Verhandlung nicht abgewartet«, fuhr er fort, »und eben den Spruch der Geschworenen in den Zeitungen gesucht. Es war doch …?«

Sie nickte und preßte die Lippen aufeinander. Eine Träne blitzte in ihrem Auge. Bertram Boyd war gerade kein idealer Vater gewesen; durch seine Schwäche hatte er sich seiner Familie immer mehr entfremdet. Seine Frau hatte aus Gram darüber einen frühen Tod gefunden, und doch hatte Mary Erinnerungen an ihre Jugend, die sie nicht missen mochte. Sie stammten aus der Zeit, in der er noch nicht getrunken hatte. Damals war er ein gutmütiger, freundlicher Mann gewesen, hatte sie als kleines Mädchen auf seinen Schultern durch den Garten getragen und mit ihr gespielt.

Nun wußte sie auch, wo der Fremde sie gesehen hatte, und woher er ihren Namen kannte. Bei dieser traurigen Verhandlung, bei der zwölf Geschäftsleute als Geschworene auftraten und sich dabei zu Tode langweilten, sollte festgestellt werden, auf welche Weise Colonel Bertram Boyd seinem Leben ein Ende gemacht hatte. Man konnte es ja schließlich verstehen, daß diese Leute es als reine Zeitvergeudung auffaßten, denn ein entsetztes Mädchen hatte den alten Colonel eines Morgens mit einer Gasvergiftung in der Küche gefunden, und zwar in dem Haus von Sir John Thorley, dem Schwager des Verstorbenen.

»Ich habe der Verhandlung beigewohnt«, sagte der hagere distinguierte Herr. »Ich wundere mich nur … Ich weiß wohl, daß es Ihnen schmerzlich ist, wenn ich über diese Dinge spreche, aber vielleicht sagen Sie mir doch, ob ihr Vater früher jemals die Absicht geäußert hat, seinem Leben ein Ende zu machen. Mir können Sie das ja ruhig sagen.«

Sie zögerte, und er wußte sehr wohl, daß sie nicht mehr über die Tragödie sprechen wollte, die ihr Leben beschattete. Und doch waren seine Augen ebenso zwingend wie freundlich. Er schien tiefes Mitgefühl zu haben, aber dann sagte sie sich, daß er als Amtsarzt schon soviel erlebt und gesehen haben mußte, daß ihm die einzelnen Fälle kaum noch nahegehen konnten.

»Ja, manchmal … er hat immer stark getrunken, und seit dem Tod meiner Tante – Sie wissen, der Lady Thorley – litt er sehr unter Depressionen. Deshalb hat ihn mein Onkel John zu sich in die Stadt genommen. Er hoffte, daß ein Wechsel der Umgebung und neue Lebensinteressen ihn vielleicht etwas ablenken könnten. Aber soviel ich weiß, hatte die neue Umgebung nicht den geringsten Einfluß auf ihn. Erst einen Tag vor der Katastrophe erhielt ich einen Brief von Sir John, in dem er mir mitteilte, daß sich mein armer Vater in seinen Wesen vollkommen geändert hätte.«

»Aber hat Ihr Vater Ihnen gegenüber jemals eine derartige Absicht geäußert? Hat er Ihnen einmal gesagt: ›Ich bin lebensmüde‹, oder so etwas Ähnliches?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Nein, aber er hat es zu Onkel John gesagt. Das kam doch bei der Verhandlung deutlich zutage.«

Dr. Kay schwieg. Er hatte sich in seine Ecke zurückgelehnt. Jetzt runzelte er die Stirn und sah zu Boden.

»Ich wünschte, ich hätte die Verhandlung bis zu Ende gehört, aber unglücklicherweise hatte ich eine Verabredung und konnte deshalb nicht bleiben. Ist sonst noch etwas im Zimmer Ihres Vaters gefunden worden?«

Wieder schien sie nur ungern zu antworten. »Zwei Flaschen Whisky – eine war leer, die andere ging stark zur Neige.«

»War er vollkommen angekleidet, als man ihn fand?«

»Ja, er hatte nur keine Straßenschuhe an. Schon früher am Abend hatte er Hausschuhe angezogen. Der Kammerdiener Sir Johns hat ja als Zeuge ausgesagt, daß mein Vater in Pantoffeln am Tisch saß, als er ihn zuletzt in seinem Zimmer sah.«

»Können Sie mir vielleicht sagen, welche Art von Hausschuhen er trug?«

Sie machte eine müde Bewegung, und er merkte wieder, daß ihr alle diese Fragen sehr unangenehm waren.

»Einfache Pantoffeln, in die man einfach hineinschlüpft und die hinten ganz offen sind. Es tut mir sehr leid, Dr. Kay, daß ich unhöflich sein muß, aber ich möchte diese Unterhaltung nicht fortsetzen.«

Er nickte ernst.

»Ich verstehe Sie vollkommen, Miss Boyd. Glauben Sie mir bitte, daß ich nicht aus reiner Neugierde frage. Ich bin ja schließlich auch unverzeihlich aufdringlich, denn ich hätte alle diese Dinge selbst herausbringen können, ohne Sie zu fragen. Übrigens kannte ich Ihre Tante. Sie war immer kränklich. Wenn ich mich recht entsinne, starb sie an Scharlachfieber. Es ging auch ein Gerede, daß sie ein Einbrecher so sehr erschreckt haben sollte… Wohnen Sie eigentlich in Eastbourne?«

Sie erzählte ihm, daß ihr Vater dort ein großes Haus besaß, und nun sprach er begeistert über die landschaftlichen Schönheiten von Sussex. Er selbst stammte auch aus dieser Gegend, und für ihn gab es kein schöneres Land auf der weiten Welt. Früher einmal hatte ihm dort eine Villa gehört, aber sie war durch Feuer zerstört worden.

»Haben Sie Ihr Haus denn nicht wieder aufgebaut?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nein. Diesmal gehe ich nach Eastbourne, weil ich dort zu tun habe.« Er sagte jedoch nichts weiter über den Zweck seines Besuches.

*

Frank Hallwell, ein großer, hübscher Mann, erwartete Mary Boyd auf der Station, und in der Wiedersehensfreude vergaß sie ganz, sich von ihrem Reisebegleiter zu verabschieden.

»Es war nicht recht von mir, Liebling, daß ich dich allein nach London fahren ließ«, sagte der junge Mann, als sie ihren Arm in den seinen legte. »Ich hätte mich um dein Verbot nicht kümmern sollen. Gott sei Dank ist die unangenehme Verhandlung nun vorüber.«

Sie seufzte.

»Wir wollen nicht mehr darüber sprechen«, erwiderte sie. Dann sah sie Dr. Kay noch einmal, als sich die Reisenden dem Ausgang zudrängten.

»Kennst du ihn?« fragte sie interessiert. »Ich meine den Mann dort – er ist mit mir im selben Abteil gefahren.«

Frank Hallwell folgte der Richtung ihres Blickes.

»Ach, das ist ja Killer Kay!«

»Killer Kay?« wiederholte sie erstaunt. »Ich wußte wohl, daß er Kay heißt…, aber warum nennt man ihn denn Killer?«

Frank war ein junger Rechtsanwalt, der augenblicklich bei der Staatsanwaltschaft arbeitete. Selbstverständlich kannte er den Arzt sehr gut.

»Sie nennen ihn im Innenministerium Killer, weil durch ihn mehr Leute an den Galgen gekommen sind als durch drei andere tüchtige Detektive. Es gibt keinen Verbrecher in ganz England, dem er nicht unter diesem Namen bekannt ist; er ist einer der größten Spezialisten, was Verbrechen und Verbrecher anbetrifft.«

Sie schauderte.

»Ich vermute, daß er hierhergekommen ist, um den Mord an der Küste aufzuklären, über den alle Leute sprechen. Ich wünschte nur, ich hätte ihn getroffen«, fuhr er begeistert fort, »dann hätte ich dich vorgestellt.«

»Aber Frank, bitte …«

Es tat ihm sofort leid, er hatte im Augenblick nicht an ihre trübe Stimmung gedacht.

*

Frank Hallwell lebte mit seinem Vater in einem Haus, dessen Garten direkt an den des verstorbenen Colonels Boyd grenzte.

Er hatte den zweiten Abend nach ihrer Rückkehr mit ihr zusammen verbracht und trank gerade noch einen Whisky-Soda, als ihm der Mann gemeldet wurde, nach dem er die beiden letzten Tage vergeblich Ausschau gehalten hatte.

»Das ist aber eine angenehme Überraschung«, sagte er und half dem Besucher, den Regenmantel abzulegen.

Draußen im Kanal herrschte ein furchtbarer Sturm, und der Regen wurde prasselnd gegen die dichtverhängten Fenster getrieben.

»Ich wußte ja, daß Sie hier in der Gegend sind, und ich habe mich schon nach Ihnen umgesehen. Sie kamen mit Miss Boyd hierher – ich bin mit ihr verlobt.«

Killer Kay sah ihn freundlich an.

»Wenn ich gewußt hätte, daß Sie der Verlobte Miss Boyds sind, hätte ich Sie schon vorgestern aufgesucht. Ich habe erst heute abend davon erfahren.«

Er begleitete Hallwell in dessen Arbeitszimmer, nahm eine der Zigarren, die ihm der junge Rechtsanwalt anbot, und setzte sich dann bequem in den großen Lehnsessel.

»Ihr Tod war nur ein Unfall«, sagte er. »Ich habe Versuche angestellt …«

»Wen meinen Sie denn?« fragte Frank erschreckt.

»Ich meine das Mädchen an der Küste …, es tut mir leid, daß ich Sie erschreckt habe.« Kay lächelte über Franks Aufregung. »Die Polizei hier war fest davon überzeugt, daß das Mädchen ermordet wurde. Der junge Mann, den sie verhaftet haben, schwört, daß der Stein oben vom Rand der Klippe fiel. Niemand hat gesehen, daß Steine von der Klippe herunterfallen, aber es kommt tatsächlich vor. Vor einer Stunde wäre ich beinahe selbst von einem solchen Stein erschlagen worden. Es war ein Liebespaar, und die beiden hatten, wie sie glaubten, einen geschützten Platz am Fuß der Klippe gefunden. Das wurde für das junge Mädchen zur Todesursache.«

»Also ist der junge Mann unschuldig?«

»Zweifellos. Ich habe die Tote genau untersucht…, aber darüber wollte ich eigentlich nicht sprechen. Wie geht es denn Sir John?«

»Ach, meinen Sie Thorley? Hat man Ihnen erzählt, daß er krank war? Er kam heute nachmittag. Der arme Mann ist furchtbar erschüttert durch diese ganzen traurigen Vorgänge.«

Dr. Kay rauchte behaglich und hatte die Augen halb geschlossen. Er schien mit sich und der Umwelt vollkommen zufrieden zu sein.

»Ich möchte Sir John gern einmal sprechen«, sagte er schließlich. »Ich glaube, er könnte verschiedene Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Tod Colonel Boyds aufklären. Sein Kammerdiener könnte es natürlich ebensogut tun, aber ich ziehe es immer vor, direkt aus der Quelle zu schöpfen.«

»Das wäre nicht schwer. Er ist auf ein oder zwei Tage nach Eastbourne gekommen, um die Vermögensangelegenheiten seines Schwagers zu regeln. Sir John ist sehr großzügig gewesen und hat Mary tausend Pfund vorgestreckt, so daß sie gut auskommen kann, bis die Vermögensaufnahme stattgefunden hat… Ach, Sie fragen, ob er reich ist? Ja, ich halte ihn für sehr vermögend. Er hat ein großes Haus in der Stadt und ein Landgut in Worcestershire, außerdem noch eine Villa in Mentone. Er trägt immer viel Geld bei sich, was ich für sehr unklug halte. So hat er zum Beispiel Mary bares Geld gegeben.«

Killer Kay richtete sich plötzlich in seinem Stuhl auf. Seine Augen leuchteten.

»Was? Banknoten? Das ist ja großartig… Nun, wir werden weitersehen.«

*

Am nächsten Abend ging er die lange Zufahrtstraße zu dem Haus des verstorbenen Colonels Boyd entlang. Noch bevor der Hausmeister ihn anmelden konnte, kam Mary in die Halle, um ihn zu begrüßen.

»Ich hatte keine Ahnung, daß ich mit einem so großen Mann zusammen reiste«, sagte sie und lächelte ihn an. »Ich habe meinem Onkel noch nichts über Ihren – Beruf gesagt. Er ist im Augenblick sehr angegriffen, und ich dachte, das könnte ihn vielleicht …«

»Ja, der Meinung bin ich auch, Miss Boyd. Sie sind sehr vorsorglich. Sie haben jetzt natürlich sehr viel zu tun?«

Sie nickte.

»Sie mußten wohl viele Unterschriften leisten, auch mußten andere Leute Ihre Unterschrift als Zeugen bestätigen?«

Sie nickte wieder.

»Onkel John kann Rechtsanwälte nicht leiden. Morgen kommt mein Notar. Aber es gab verschiedene Dinge zu regeln, die meinen verstorbenen Vater betrafen und die wir um seines Andenkens willen lieber unter uns abgemacht haben. Ich weiß allerdings nicht, wie ich dazu komme, Ihnen das zu erzählen.«

Sie lachte ein wenig verlegen.

»Bevor wir hineingehen, möchte ich Sie noch um einen Gefallen bitten.«

Sie zog die Augenbrauen hoch.

»Ich werde Ihnen gern einen Wunsch erfüllen, wenn ich kann.«

»Versprechen Sie mir, mich telegrafisch zu benachrichtigen, welchen Zug Sie benützen, wenn Sie das nächstemal nach London kommen.«

Sie starrte ihn verwundert an.

»Aber warum denn?«

»Wollen Sie es mir versprechen? Sie sagten doch eben, daß Sie mir gern einen Wunsch erfüllen würden, wenn Sie könnten.«

»Ja, ich werde Ihnen telegrafieren, wenn es Ihnen Freude macht, aber …«

»Ich lasse kein Aber gelten«, erwiderte er gutgelaunt und folgte ihr dann ins Wohnzimmer.

Sir John Thorley war ein untersetzter Herr mit rotem Gesicht, weißem Schnurrbart und weißen Augenbrauen. Er sah aus wie ein strenger Oberst, der viele Jahre in Indien gedient hat, und sein Wesen war auch ziemlich hart und rauh.

»Ich freue mich, Sie zu sehen, Doktor«, sagte er. »Sie sind ein Freund des jungen Hallwell – hm.«

Es war eine dumme Angewohnheit von ihm, daß er am Ende eines Satzes dieses »Hm« hinzufügte, denn dadurch verwandelte er unwillkürlich jedes Kompliment ins Gegenteil. Es hatte immer den Anschein, als ob er mit seinen Worten weitergegangen wäre, als er vorher beabsichtigt hatte, und als ob er seiner Meinung nach liebenswürdiger und freundlicher gewesen wäre, als es die Situation verlangte. Nachher schien er den Doktor völlig zu ignorieren und sprach nur mit seiner Nichte.

»Es ist ein ziemlich großes Haus für ein junges Mädchen«, sagte er kopfschüttelnd. »Du würdest besser tun, eine Wohnung in der Stadt zu mieten oder ein paar Hotelzimmer zu nehmen. Leider kann ich dich nicht in mein Haus einladen – das ist mir einfach unmöglich –, du verstehst schon, was ich meine. Aber hier darfst du auf keinen Fall allein bleiben.«

»Warum denn nicht, Onkel John?« fragte sie beinahe belustigt.

»Warum nicht? Mein liebes Kind, du würdest dich hier zu Tode fürchten. Erst ist deine Tante gestorben, nun noch dein lieber Vater – nein, nein, das fällt auch dir auf die Nerven. Außerdem möchte ich dich gern in der Stadt wissen, so daß ich dich in meiner Nähe habe – hm. Bei mir wurde doch früher einmal eingebrochen … Nein, ich weiß, wie das ist. Es ist besser; wenn du nicht allein sein mußt. Durch den Schreck ist damals deine arme Tante umgekommen. Der Mann hat sie furchtbar erschreckt … Nachher ging es mit ihr zu Ende.«

Gleich darauf verließ Mary das Zimmer, und nun fand Dr. Kay die gewünschte Gelegenheit, eine Frage zu stellen.

»Sir John, wo wurden eigentlich die Hausschuhe von Colonel Boyd gefunden?«

Thorley blinzelte ihn an.

»Wo die Hausschuhe … Ich weiß nicht, was Sie damit sagen wollen. Die waren doch in seinem Zimmer. Wo hätten sie denn sonst sein sollen?«

»Er hätte sie doch an den Füßen haben können«, erwiderte Killer Kay freundlich. »Soviel ich hörte, waren es weiche Pantoffeln, und ich wundere mich, daß er sie ausgezogen hat.«

»Mir ist das nicht aufgefallen. Aber auf jeden Fall war der alte Boyd mehr oder weniger verrückt. Der Tochter habe ich das natürlich nicht gesagt, aber es besteht kein Zweifel, daß der Alte den Verstand verloren hatte. Es ist schließlich auch kein Wunder, wenn man so trinkt, wie er es tat. Es war geradezu schrecklich. Ich konnte ihn nicht davon abbringen, es hat mir wirklich leid getan.«

Er schüttelte den Kopf. Da kam Mary zurück, und die Unterhaltung wandte sich einem anderen Thema zu.

*

Am nächsten Morgen fuhr Killer Kay nach London und stellte verschiedene Nachforschungen an. Nachmittags verließ er die Hauptstadt mit dem Schnellzug nach Westen; er hatte ein Ermächtigungsschreiben des Innenministeriums in der Tasche.

Die Nacht brachte er in Plymouth zu, und am nächsten Morgen fuhr er in einem Mietauto nach Princetown.

Auf dem Gefängnishof ging eine Kolonne von Sträflingen im Kreise über den mit großen Steinplatten belegten Boden. Die Abstände