1. Gestatten Lünch – Bodo Lünch

Raffs_Geld_Titel

Mal angenommen, Sie haben einen finanziellen Engpass. Im Prinzip kann das jedem passieren. Die Banken wittern Aasgeruch und drehen Ihnen den Hahn ab. Andere Kreditgeber sind weit und breit nicht in Sicht. Aber es gibt ja noch die privaten Geldverleiher, die laufend knallige Anzeigen in den Zeitungen haben von wegen Schnell-Kredite ganz ohne Sicherheiten und lästige Formalitäten bei sofortiger Barauszahlung. Klingt alles prima. Also greifen Sie zu und haben ruck, zuck wieder Bares auf der blanken Kralle, und die Banken…

2. Wie geschmiert

Die Welt ist voller Kanaillen, es gibt viel zu viele davon. Trotzdem musste ich mir ganz schön das Gehirn zermartern, bis mir Kaplan einfiel. Richard Kaplan — der größte Beschiss seit Bernie Cornfeld. Besondere Merkmale: dreht den Leuten für viel Geld faule Ölinvestments an. Mal abgesehen von der reichlich ausgeleierten Masche hatte ich nichts gegen seine Art, Geld zu verdienen. Wenn es immer noch Trottel gab, die nicht mitgekriegt hatten, dass das große Ölgeschäft seit mindestens fünfzig Jahren gelaufen ist,…

3. Schwierige Patienten

Gegen Mittag saß ich an einem Fenstertisch in einer schäbigen, verdreckten Kneipe im Hafengebiet. Die Fenster waren groß und schmutzig und die alte, abblätternde Farbe war schwarz von Fliegendreck. In der Luft hing zäh und schwer ein nebliges Gemisch aus abgestandenem Tabakrauch und Dünsten von ranzigem Fett. Und überall, wo man hinlangte, klebten einem die Finger fest. Nach meinem Geschmack war diese Spelunke zwar nicht gerade, aber ich hatte es mir nicht aussuchen können; ich war geschäftlich hier. Vor mir…

4. Unser Oma ihr klein Häuschen . . .

Zehn Minuten später lag ich auf der Autobahn und dröhnte den Lahmärschen auf der Überholspur mit meiner Zweiklangkompressorfanfare die Ohren voll und bestrahlte sie mit der Lichthupe. Ich war unterwegs zu Apollonia Erbslöh, einem alten Weibchen vom Lande, das sich bei Raff vor fünf Monaten runde fünfzehn Mille für ein neues Dach gepumpt und schon verdammt lange nichts mehr von sich hören lassen hatte. An der dritten Ausfahrt fuhr ich raus, tobte mich noch ein bisschen auf einer leeren schattigen…

6. Zahltag

Am nächsten Morgen gab es einen Riesenkrach im Büro. Raff knallte mir einen Packen Zeitungen hin und fragte erbost: «Und was ist das?!» Schlagzeilen sprangen mir entgegen wie: „Kreditvermittler nimmt Wucherzinsen von Kindern“ oder: „Abgezockt — Kreditfirma auf Kinder spezialisiert“ oder: „Jugendliche im Würgegriff von Kredihaien“ und so weiter und so weiter. In einem Artikel stand zu lesen: ‚Trotz eindringlicher Ermahnungen durch die Richterin erklärte der Vertreter der Kreditfirma nach der Verhandlung, dass die Firma keinerlei Anlass sähe, von ihrer…

7. Wochenend und Sonnenschein

Aber es kam mal wieder anders, als man denkt. Es fing gleich am Samstagmorgen an, ich war noch nicht richtig wach, da läutete es an meiner Tür Sturm. Leger in Jeans und weißen T-Shirt tappte ich zur Tür und öffnete. Vor mir standen zwei Figuren, der eine gedrungen, ein wenig zur Fettleibigkeit neigend, der andere etwas größer und auch nicht gerade ein Leichtgewicht, aber mehr aus Muskeln als aus Fett bestehend. «Gehört Ihnen die rote Corvette da unten im Hof?»…

8. Du bist nicht mein Freund

«Wohin kann ich dich bringen?» fragte ich, als wir wieder am Boden waren und das Gepäckband hinter uns hatten. «Ich werde die S-Bahn nehmen,» sagte sie. « Ich will noch in die Redaktion. Das geht schneller.» Wir sahen uns lange an, und in ihren Augen las ich die Frage: Gibt es einen Platz für mich in deinem Leben? Eine seltsame Mischung aus Abschiedsschmerz und Neuanfang stand zwischen uns. Sie berührte leicht meinen Arm und sagte: «Es war schön mit dir,…

9. Recht und Ordnung

Der nächste Morgen war grau und feucht. Die Luft klebte einem fast auf der Haut. Um neun war ich bei Piependonk im Büro. Er schlürfte Kaffee und büffelte in seinem Lexikon wertvolles Allgemeinwissen. Als ich mich gesetzt hatte, klappte er das dicke Buch zu und sah mich eine Weile an. Dann schob er mir einen Zettel über den Tisch und sagte: «Zwei von diesen Brüdern hab ich noch aufgetrieben. Einen in Hanau, einen in Offenbach. Das Nähere steht hier drauf.»…

10. Stoßtrupp Gold

Nach Bukarest fliegt man runde zweieinhalb Stunden. Im Flieger saß eine ziemlich bunte Mischung aus allgegenwärtigen Businessmen, geschäftigen Trägern irgendwelcher Funktionen und recht verwegenen Figuren, die aussahen, als kehrten sie an die Lagerfeuer ihrer Zigeunerstämme zurück. Es regnete in Bukarest. Als Taxi in die Stadt hatte ich ein klapprigen Lada mit einem Budda von Fahrer, der das Lenkrad von unten fasste und einen sehr orientalisch-entspannten Eindruck machte. Ich fragte ihn nach einem guten Hotel. Das ist natürlich der Touristenfehler Nummer…