Karl August von Weimar

Aus: Jakob Wassermann – Deutsche Charaktere Die siebzehnjährige Vormundschaft der Herzogin-Mutter Amalia bedeutet ein unvergängliches Ruhmesblatt in der deutschen Geschichte, denn unter ihr wurde Weimar der Sammelpunkt jener Genien, denen die Unsterblichkeit sicher ist und durch die der Hof von Weimar einen stillen, aber hohen Glanz erhielt, wie er von keinem andern deutschen Hof jemals ausgegangen ist. Amalie von Braunschweig war, als sie die Regierung antrat, erst achtzehn Jahre alt; fünf Jahre des siebenjährigen Krieges fielen noch unter ihre Herrschaft.…

Der Leipziger Kreis

Aus: Le­bens­li­ni­en, 2.Teil, 5.Kap. All­ge­mei­nes. Der Ein­tritt in den Kreis der neu­en Kol­le­gen in Leip­zig war für mich und die Mei­nen mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den. Wir hat­ten bis­her in we­sent­lich an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Sit­ten und Ge­wohn­hei­ten ge­lebt und wa­ren we­der durch Ver­wandt­schaft noch durch Freund­schaft mit reichs­deut­schen Krei­sen, ins­be­son­de­re nicht mit de­nen . . . weiter lesen »

Köpfe – Holstein

Großbeerenstraße 40, Dicht am Kreuzberg. Kleinbürgerhäuser, Kleinbürgerläden. Fünf Minuten davon, schon in der Yorkstraße, poltert, kreischt, protzt das neue Berlin im Stuckpomp. Hier, zwischen der Hagelberger- und der Kreuzbergstraße, ists still. Altberlin. Kein Bierpalazzo, kein Prunkladen. Enge Kutscherkneipen; der Bäckermeister, der für drei, vier Gäste Sitzgelegenheit bietet, Napfkuchen, Windbeutel, Sahnenbaisers bereit hält, auch, wenns verlangt wird, Kaffee kochen läßt, nennt sich nur schüchtern Konditor. Sogar Grünkramkeller giebts da noch, vor denen, auf dem Pflaster, . . . weiter lesen »

Landhaus Energie

Aus. Le­bens­li­ni­en 3.Teil, 3.Kap. Die ei­ge­ne Schol­le. Das Be­dürf­nis, auf ei­ge­nem Grund und Bo­den zu sit­zen, war vä­ter­li­ches Erb­gut. Es ist sei­ner­zeit er­zählt wor­den (I, 5), daß mein Va­ter sei­ne ers­ten Er­spar­nis­se da­zu ver­wen­det hat, sich ein ei­ge­nes Hä­us­chen zu er­wer­ben. Auch nach dem un­ver­schul­de­ten wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­bruch, aus dem er sich . . . weiter lesen »

Der Austauschprofessor

Aus: Le­bens­li­ni­en, 3.Teil, 2.Kap. Der Ge­dan­ke des Pro­fes­so­ren­aus­tau­sches. In sei­nen viel­fäl­ti­gen und nicht im­mer glück­li­chen Be­mü­hun­gen, ein mög­lichst na­hes Ver­hält­nis zwi­schen Deutsch­land und Ame­ri­ka her­zu­stel­len, war Kai­ser Wil­helm II. auf­merk­sam ge­macht wor­den, daß von den ver­schie­de­nen Ar­ten des Ver­kehrs bei­der Völ­ker der wis­sen­schaft­li­che . . . weiter lesen »

Joachim Nettelbeck

Aus: Jakob Wassermann – Deutsche Charaktere Als Sohn eines Brauers und Branntweinbrenners wurde Joachim Nettelbeck am 20. September 1738 zu Kolberg geboren. Seine Mutter war aus dem Geschlecht des Schiffers Blanken; seines Vaters Bruder war ebenfalls Schiffer. Seine größte Kinderfreude bestand darin, auf Schiffen herumzuspringen, und sobald er lallen konnte, war sein Sinn auf die Schifferei gestellt. Sein Hang war so groß, daß er aus jedem Span, aus jedem Stück Baumrinde, das ihm in die Hände fiel, kleine Schiffe schnitzelte,…

Napoleon Bonaparte

Ich habe den General Bonaparte zum erstenmal in meinem Leben zwei Tage nach seinem Übergang über den Sankt Bernhard gesehen, am Fort Bard, am 21. Mai 1800, also [heute 1837] vor 37 Jahren. Vierzehn Tage nach Marengo hatte ich ihm in seiner Loge in der Scala, Mailands großem Theater, einen Bericht zu überbringen. Ich war Augenzeuge beim Einzuge Napoleons 1806 in Berlin, ich war 1812 in Moskau, 1813 in Schlesien. Zu allen diesen Zeiten habe ich den Kaiser aus allernächster…