Heinrich Schliemann: Unterbrechung der trojanischen Arbeiten

1874–1878 Nachdem ich von der griechischen Regierung die Erlaubniss zu Ausgrabungen in Mykenae erlangt hatte, begann ich im Februar 1874 meine Thätigkeit dort mit dem Abteufen von 34 Schachten auf der Akropolis; aber gerade als ich die Stätte der alten von Pausanias erwähnten Königsgräber entdeckt hatte, wurden meine Nachforschungen durch ein Gerichtsverfahren unterbrochen, welches die türkische Regierung, die auf die eine Hälfte meiner Sammlung trojanischer Alterthümer Ansprüche erhob, in Athen gegen mich eingeleitet hatte. Der Process wurde ein Jahr lang…

Heinrich Schliemann: Arbeiten des dritten Jahres auf Hissarlik

1873 Am 14. August stellte ich die Ausgrabungen für das Jahr 1872 ein und nahm dieselben am 1. Februar 1873 in Gemeinschaft mit meiner Frau wieder auf. Neben unsern beiden hölzernen Gebäuden hatten wir im vorhergehenden Herbste noch ein Wohnhaus mit 2 Fuss dicken Mauern für uns errichten lassen, zu dem von mir ausgegrabene Steine von alten trojanischen Bauwerken das Material abgegeben hatten. Doch mussten wir dieses Haus jetzt unsern Aufsehern einräumen, die nicht mit warmen Kleidungsstücken und Decken hinreichend…

Heinrich Schliemann: Zweites Jahr der Arbeiten in Hissarlik

1872 Gegen Ende März 1872 kehrte ich mit meiner Frau nach Hissarlik zurück und nahm die Ausgrabungen mit 100 Arbeitern wieder auf. Bald war ich im Stande, die Zahl meiner Arbeiter auf 130 zu erhöhen, und nicht selten beschäftigte ich sogar 150 Leute. Ich war jetzt vortrefflich für unsere Arbeit ausgerüstet, da mir meine verehrten Freunde, die Herren John Henry Schröder & Co. in London, eine genügende Anzahl der besten englischen Schiebkarren, Spitzhauen und Spaten verschafft und ich ausserdem drei…

Heinrich Schliemann: Arbeit des ersten Jahres in Hissarlik

1871 Um grössere Nachgrabungen anstellen zu können, bedurfte ich eines Fermans der Hohen Pforte, den ich erst im September 1871 durch die gütige Vermittelung meiner Freunde, des Ministerresidenten der Vereinigten Staaten zu Constantinopel, Mr. Wyne McVeagh, und des inzwischen verstorbenen trefflichen Dragomans der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten, Mr. John P. Brown, erhielt. Endlich am 27. September konnte ich mich nach den Dardanellen begeben, und zwar diesmal in Begleitung meiner Frau, Sophia Schliemann, die, eine Griechin, aus Athen gebürtig und eine…

Erste Reise nach Ithaka, dem Peloponnes und Troja

Endlich war es mir möglich, den Traum meines Lebens zu verwirklichen, den Schauplatz der Ereignisse, die für mich ein so tiefes Interesse gehabt, und das Vaterland der Helden, deren Abenteuer meine Kindheit entzückt und getröstet hatten, in erwünschter Musse zu besuchen. So brach ich im April 1868 auf und ging über Rom und Neapel nach Korfu, Kephalonia und Ithaka, welches letztere ich gründlich durchforschte; doch nahm ich hier nur in der sogenannten Burg des Odysseus, auf dem Gipfel des Berges…

Heinrich Schliemann: Kindheit und kaufmännische Laufbahn

1822 bis 1866 Wenn ich dieses Werk mit einer Geschichte des eignen Lebens beginne, so ist es nicht Eitelkeit, die dazu mich veranlasst, wol aber der Wunsch, klar darzulegen, dass die ganze Arbeit meines spätern Lebens durch die Eindrücke meiner frühesten Kindheit bestimmt worden, ja, dass sie die nothwendige Folge derselben gewesen ist; wurden doch, sozusagen, Hacke und Schaufel für die Ausgrabung Trojas und der Königsgräber von Mykenae schon in dem kleinen deutschen Dorfe geschmiedet und geschärft, in dem ich…

Der Leipziger Kreis

Aus: Le­bens­li­ni­en, 2.Teil, 5.Kap. All­ge­mei­nes. Der Ein­tritt in den Kreis der neu­en Kol­le­gen in Leip­zig war für mich und die Mei­nen mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den. Wir hat­ten bis­her in we­sent­lich an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Sit­ten und Ge­wohn­hei­ten ge­lebt und wa­ren we­der durch Ver­wandt­schaft noch durch Freund­schaft mit reichs­deut­schen Krei­sen, ins­be­son­de­re nicht mit de­nen . . . weiter lesen »

Landhaus Energie

Aus. Le­bens­li­ni­en 3.Teil, 3.Kap. Die ei­ge­ne Schol­le. Das Be­dürf­nis, auf ei­ge­nem Grund und Bo­den zu sit­zen, war vä­ter­li­ches Erb­gut. Es ist sei­ner­zeit er­zählt wor­den (I, 5), daß mein Va­ter sei­ne ers­ten Er­spar­nis­se da­zu ver­wen­det hat, sich ein ei­ge­nes Hä­us­chen zu er­wer­ben. Auch nach dem un­ver­schul­de­ten wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­bruch, aus dem er sich . . . weiter lesen »

Der Austauschprofessor

Aus: Le­bens­li­ni­en, 3.Teil, 2.Kap. Der Ge­dan­ke des Pro­fes­so­ren­aus­tau­sches. In sei­nen viel­fäl­ti­gen und nicht im­mer glück­li­chen Be­mü­hun­gen, ein mög­lichst na­hes Ver­hält­nis zwi­schen Deutsch­land und Ame­ri­ka her­zu­stel­len, war Kai­ser Wil­helm II. auf­merk­sam ge­macht wor­den, daß von den ver­schie­de­nen Ar­ten des Ver­kehrs bei­der Völ­ker der wis­sen­schaft­li­che . . . weiter lesen »