An Bord der Sphinx

Am 6. Juli vormittags empfing ich folgende vom Tage vorher datierten Zeilen: »Sehr geehrter Herr. Es würde mich außerordentlich freuen, Sie an einer Bootexpedition teilnehmen zu sehen, die seitens der ›Sphinx‹ am 7. früh von Köpenick aus unternommen und bis Teupitz ausgedehnt werden soll. Es handelt sich, nach vorgängiger Passierung befahrener Wasserstraßen, um ein Vordringen bis zu den See- und Quellgebieten der ›Wendischen Spree‹, Gebiete, die selbst Ihnen vielleicht auf Ihren märkischen Wanderungen unerschlossen geblieben sind. Einer brieflichen . .…

The hospitable English House

  Lieber kleiner Mr. Burford, wie gern gedenk‘ ich Deiner! Es sind nun volle acht Jahr, daß ich an Deinem Tische saß, aber Dein gastlich Haus ist unvergessen geblieben. Ich habe auch diesmal nach Dir gefragt; aber man kannte dich nicht mehr. Bist Du hinüber? Ach, mit Dir ist vieles andere noch gestorben – die ganze Hospitalität Deines Landes. Mag der Tag mir wieder lebendig werden, wo ich zum ersten Male durch die Gänge Deines Parkes schritt, und die Sonne…

Lady Hamilton

Die Welt liebt es, zu Gericht zu sitzen und – zu verurteilen. Da ist keiner unter uns, der nicht begierig wäre, der Themis seine Dienste aufzudrängen; aber wir sind bestechlich aus selbstischer Eitelkeit, wir werten unsere Tadelsucht zur Schuld des Angeklagten und handhaben das Schwert besser als die Waage. Da ist nichts so oft vergessen, als das Wort des Herrn: »Wer unter euch sich ohne Sünde weiß, der werfe den ersten Stein auf sie.« Was tun wir? Den modegewordenen Mantel…

Tavistock-Square

Vor einer Woche habe ich meine Wohnung gewechselt. Ich konnt‘ es nicht mehr aushalten in Burton-Street und in dem ganzen Stadtteil, den ich vollauf bezeichnet habe, wenn ich Dir sage, daß er Pimlico heißt. Klingt das nicht geziert und geckenhaft? Denkt man nicht an eine Mischung von Langeweile und Lächerlichkeit? Und so ist es auch.Ich wohne nun Tavistock-Square, mitten in London, nah an Oxford-Street und nicht weit vom Trafalgar-Platz. Daß ich Dir sagen könnte, wie reizend es hier ist und…

Der englische Zopf

Bei uns ist der Zopf zur Mythe geworden, er existiert nur noch als Spitz- und Geißelwort für alles, was, wie die österreichische Landwehr, »nicht mitkommen kann«, und wenn Heine gelegentlich von unseren Soldaten singt:»Der Zopf, der ihnen sonst hinten hing, Der hängt jetzt unter der Nase«,so können wir uns diesen Witz, dessen Pointe etwas dunkel bleibt, immerhin gefallen lassen. Anders ist es mit England: es darf mit China darum streiten, wer ihn am längsten trägt. Nach den Gründen forsche wer…

Der verengländerte Deutsche

Einer meiner Freunde erzählte mir: Gebrüder Miller sind eine wohlbekannte Firma in der City von London. Vor Zeiten hießen sie Müller und waren so loyale Berliner, wie sie das Spandauer Viertel nur je in seiner Mitte sah. Vor zehn Jahren vertauschten sie die Papenstraße mit Moorgate-Street und ersetzten den heimatlichen Klappkragen durch aufrechtstehende Vatermörder. An diese – fuhr mein Freund fort – hatt‘ ich einen Kreditbrief in der Tasche. Guten Mutes trat ich bei ihnen ein und mich gegen zwei…

Die Docks-Keller

Unter »Docks« versteht man im allgemeinen die Häfen eines Hafens: kleine abgezweigte Buchten, oder auch gemauerte Bassins, in denen man die rückkehrenden Schiffe gleichsam beiseite nimmt, um sie zunächst auszuladen, und – wenn’s nottut – auszubessern. Die London-Docks charakterisiert man am besten, wenn man sie Fluß-Häfen nennt. Sie verhalten sich zur Themse, mit der sie in unmittelbarster Verbindung stehen, wie große Privatgehöfte zu einer daran vorüberführenden allgemeinen Heerstraße.Man unterscheidet Katharinen-, London-, Westindien- . . . weiter lesen »