Frritt-Flacc!*

Frritt!… das ist der Wind, der heulend dahinfegt. Flacc!… der Regen, der in Strömen niederstürzt. Dies greulich wüthende Wetter krümmt die Bäume an der volsinischen Küste nieder und der Sturm prallt gewaltsam an die Bergwände von Crimma. Die hohen Felsgebilde werden unaufhörlich benagt von den Wogen des weiten Megalocride-Meeres. Frritt!… Flacc!… Im Hintergrund des Hafens versteckt, liegt die kleine Stadt Luktrop – einige hundert Häuser mit grünlichen Jalousien, die sie mehr oder weniger gegen den Wind der Seeseite schützen. Sie…

Die schwarze Katze*

Daß man den so unheimlichen und doch so natürlichen Geschehnissen, die ich jetzt berichten will, Glauben schenkt, erwarte ich nicht, verlange es auch nicht. Ich müßte wirklich wahnsinnig sein, wenn ich da Glauben verlangen wollte, wo ich selbst das Zeugnis meiner eigenen Sinne verwerfen möchte. Doch wahnsinnig bin ich nicht – und sicherlich träume ich auch nicht. Morgen aber muß ich sterben, und darum will ich heute meine Seele entlasten. Aller Welt will ich kurz und sachlich eine Reihe von…

Bulemanns Haus

In einer norddeutschen Seestadt, in der sogenannten Düsternstraße, steht ein altes verfallenes Haus. Es ist nur schmal, aber drei Stockwerke hoch; in der Mitte desselben, vom Boden bis fast in die Spitze des Giebels, springt die Mauer in einem erkerartigen Ausbau vor, welcher für jedes Stockwerk nach vorne und an den Seiten mit Fenstern versehen ist, so daß in hellen Nächten der Mond hindurchscheinen kann. Seit Menschengedenken ist niemand in dieses Haus hinein- und niemand herausgegangen; der schwere Messingklopfer an…

Der Spuk im Pfarrhaus zu Cleversulzbach

Sie haben, verehrtester Freund, sowohl in der Seherin von Prevorst (2. Bandes. Siebente Tatsache), als auch neuerdings in einem Heft Ihres ›Magikon‹ von dem Spuke des hiesigen Pfarrhauses gesprochen, und unter anderem die Art und Weise, wie ich, bald nach meiner Hieherkunft im Sommer 1834, die Entdeckung dieses Umstandes machte, nach meiner mündlichen Erzählung berichtet. Ich will nun, Ihrem Verlangen gemäß, zunächst aus meinem Tagebuche, soweit es überhaupt fortgeführt ist, dasjenige, was ich in dieser Beziehung etwa Bemerkenswertes finde, zu…

Die Venus von Ille

Ich kletterte die letzte Berglehne des Canigou hinunter, und obwohl die Sonne bereits hinabgesunken war, sah ich noch deutlich in der Niederung die Häuser der kleinen Stadt Ille, die das Ziel meiner Reise war. »Ihr wißt doch«, sagte ich zu dem Katalanen, der mir seit dem Vortage als Führer diente, »Ihr wißt doch bestimmt, wo Monsieur de Peyrehorade wohnt?« »Und ob ich‘s weiß!« rief er. »Ich kenne sein Haus wie mein eignes; und wenn‘s nicht schon so duster wäre, zeigte…

Das System des Doktors Pech und des Professors Feder

Im Herbst des Jahres 18.. machte ich eine Reise durch die südlichen Provinzen Frankreichs. Mein Weg führte mich in die Nähe einer Privat-Irrenanstalt, von der mir meine medizinischen Freunde in Paris viel erzählt hatten. Da ich noch nie eine ähnliche Anstalt besucht, wollte ich die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen lassen und schlug meinem Reisegefährten – einem Herrn, den ich ein paar Tage früher zufällig kennengelernt hatte – vor, den kleinen Abstecher mit mir zu machen und die Anstalt zu besichtigen.…

Eine schreckliche Nacht

  Iwan Petrowitsch Panichidin erblaßte, schraubte den Lampendocht hinunter und begann mit erregter Stimme: »Dichte Finsternis hielt die Erde umfangen, als ich in der Weihnachtsnacht 1883 von meinem inzwischen verstorbenen Freund heimkehrte, bei dem wir eine spiritistische Sitzung abgehalten hatten. Alle Gassen, durch die ich ging, waren aus irgendeinem Grunde nicht beleuchtet, und ich mußte mich beinahe vorwärtstasten. Ich wohnte damals in Moskau, dicht neben der Kirche ›Mariä Himmelfahrt auf den Gräbern‹, im Hause des Beamten Trupow, also in einer…