Kleine Gärten, Tagungen und eine Explosion

In das Jahr 1864 fiel auch die Gründung des ersten Schreber vereins durch den Schuldirektor Dr. Hauschild. Freilich war es noch ein weiter Schritt bis der erste Schrebergarten entstand. Zunächst wurde nur der freie Platz hinter der Wiesenstraße, dort, wo jetzt die Lutherkirche steht, als Schreberplatz angewiesen. Es war ein sumpfiger Wiesenplan, der erst nach und nach für den gewollten Zweck hergerichtet werden konnte. Nachdem der Platz ein ansprechenderes Aeußere gewonnen hatte, wurden Kinderbeete darauf errichtet und im Jahre 1869…

Sklaverei und Eselswiese

Der nordamerikanische Sezessionskrieg (1861 bis 1865) fand auch in Leipzig lebhafte Beachtung, nicht nur wegen der vielfachen Handelsbeziehungen, die namentlich Leipzig mit den nordamerikaniscnen Staaten besaß, sondern auch politisch und gefühlsmäßig. Denn die Sympathien der Leipziger — wie wohl auch aller Deutscher — wendeten sich uneingeschränkt den Nordstaaten der Union zu, da dieselben mit den Sklavenhaltern der Südstaaten im Kampfe standen. Während des vier Jahre langen Krieges verging selten eine Woche, wo sich nicht junge Leipziger nach den Vereinigten Staaten…

Die Preußen sind da

Die kriegerischen Ereignisse in Schleswig-Holstein weckten in uns Knaben den Wunsch nach Kriegsspielen und militärischer Ausbildung. Diesem Verlangen leistete eine Exerzierschule in reichem Maße Genüge, die von einem Sergeanten des damals in Leipzig garnisonierenden Jagerbataillons in der Pleißenburg unterhalten wurde. Mein Bruder und ich traten, mit ordnungsgemäßen kleinen Gewehren versehen, in dieselbe ein und wurden dort gewissenhaft nach dem geltenden sächsischen Exerzierreglement ausgebildet. Sobald die kurze Rekrutenzeit vorüber war, wurden wir unter die schon ausgebildeten Schüler . . . weiter…

Leipzig vor 150 Jahren

Wenn man das Alter des Psalmisten bereits um etliche Jahre überschritten hat und man nun jeden Morgen seine Todesanzeige in der Zeitung zu lesen erwartet, mag der Wunsch begreiflich erscheinen, einen Rückblick zu halten auf seine Kindheit und Jugend, und auf die Umwelt, auf die sie gestellt waren. Welten scheinen das Einst von dem Jetzt zu trennen, so von Grund auf haben sich ja seitdem alle Verhältnisse geändert und interessant mag dem Jüngeren sein, was der Aeltere aus seiner Kindheit…

Hinter den Gardinen

An gut besuchten Bier- und Weinrestaurants war in der Stadt kein Mangel. Da war zunächst der alt-berühmte, durch die Faustsage bekannte Auerbachs Keller, dem sich gleichwertig Aeckerleins Keller anschloß. Gut besucht war ferner das Dähnesche Weinrestaurant (jetzt Page), sowie Hotel de Russie und Hotel de Baviere, beide in der Petersstraße, und außerhalb des Promenadenringes (nach Niederreißung des prächtigen Baues des "Kurprinz"), Hotel de Prusse, unter Krafts, des Freundes Richard Wagners, bewährter Leitung. Nach den Theatervorstellungen . . . weiter lesen…

Wasser, Ärzte und häusliches Leben

Alljährlich wurde Leipzig ein- oder zweimal von einer großen Ueberschwemmung heimgesucht. Von Connewitz und Schleußig her wälzten sich die Wassermassen heran und überschwemmten das weite Gebiet zwischen Leipzig und Plagwitz-Lindenau. Die jetzige Rennbahn, das Scheibenholz, der jetzige König Albert-Park bis zur Wiesenstraße, dann weiterhin die jetzige Plagwitzer Straße und die Frankfurter Wiesen bis in das Rosental hinein und die ganze Fläche bis nach Möckern bildeten eine einzige große, wild durchflutete Wasserfläche. Soweit das Auge reichte, erblickte man nichts als einen…

Straßenleben

An dieser Stelle mögen auch einige kleine Erlebnisse aus meiner Kindheit Tagen Platz finden. Eines Vormittags schickte mich meine Mutter in die Barfußmühle, um dort Grieß für die Suppe zu holen. Sie schärfte mir ein, immer „Grieß, Grieß“ vor mich herzusagen, auf daß ich auch das Richtige bringe. Ich versprach dies zu tun und nahm wohlgemut meinen Weg von der Zentralstraße um die Synagoge herum, dort den kleinen Abhang herab, der zu einer den Diebesgraben überspannenden Holzbrücke führte, dann durch…

Große Ereignisse

Am 27. August 1858 fand unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung die 150jährige Feier der ersten Besitznahme des Rosentales durch den Stadtrat und die gleichzeitig erfolgte Anlegung von Spaziergängen in demselben statt. In den Etablissements Bonorand und Schweizerhäuschen fanden aus diesem Anlaß besondere festliche Veranstaltungen statt. Den Monat darauf erschien der große Donatsche Komet am Himmel. Er wurde schon in den ersten Abendstunden im Nordwesten unter dem Schweife des großen Bären sichtbar und konnte deshalb auch von uns Kindern in Augenschein…

Feuer, Feuer!

In der Nacht vom 6, und 7. Februar 1860 brach in der Thomasmühle Feuer aus, ein Brand, den ich noch deutlich vor Augen sehe, denn wir konnten von der Zentralstraße aus, wo wir wohnten, denselben genau beobachten und der Feuerlärm hatte auch mich bald aus dem Schlaf geweckt. Das Feuer war in dem alten Mühlengebäude, das nur noch als Lagerraum benutzt wurde, entstanden und hatte bei der reichlichen Nahrung, die es an den aufgestapelten Vorräten und an dem alten Gebälk…

Volksfeste

Da ich im Vorstehenden wiederholt der Kommunalgarde gedacht habe, ist es wohl Zeit, derselben einige nähere Worte zu widmen. Die Kommunalgarde war eine im Jahre 1830 nach einer Straßenrevolte zum Schutz der staatlichen Ordnung und der Bürgerschaft geschaffene Organisation. Jeder, der in Leipzig das Bürgerrecht erlangte, war, gleichviel welcher Herkunft, verpflichtet, in die Kommunalgarde einzutreten und in derselben Dienst bis zu seinem vollendeten 50. Lebensjahre zu tun. Zu dem Zwecke war die Stadt in eine Anzahl Viertel eingeteilt und die…